Kriegstetten

Mit Gott «verbunden»

Es wäre der Plan gewesen, im Kirchturm eine Antenne von Swisscom zu installieren.

Der Kriegstetter Kirchgemeinderat entschuldigt sich für Zusage zum Antennenbau im Kirchturm.

Die Naivität des Kirchgemeinderates von Kriegstetten ist beinahe grenzenlos. Man muss es so sagen. Es sind erst gut zehn Jahre vergangen, da formierte sich in Kriegstetten Widerstand gegen eine von Swisscom geplante Antenne im Unterdorf. Das Baugesuch konnte damals wegen der Ortsplanungsrevision drei Jahre hinausgezögert werden. Danach verzichtete Swisscom auf die Antenne. Sie habe die strategische Ausrichtung geändert. Aber schon vorher, wie in Berichten nachzulesen ist, als auch nachher warb die Swisscom bei den Katholiken um den Kirchturm.

Deshalb ist die Frage einer Besucherin der Aussprache verständlich. Sie fragte, ob der siebenköpfige Kirchgemeinderat, von dem sechs Mitglieder nicht in Kriegstetten wohnen, befugt gewesen sei, den Vertrag mit der Swisscom zu unterzeichnen – der das ganze Dorf betrifft. Nun, der jährliche Betrag liegt unter der Grenze von 10'000 Franken. Ab diesem Betrag ist formell die Kirchgemeindeversammlung zuständig. Der Kirchgemeinderat war also befugt, den Vertrag zu unterzeichnen. Aber er handelte in Unkenntnis der örtlichen Geschehnisse, wie schon die Frage der Besucherin suggerierte.

Der Kirchgemeinderat handelte aber auch unsensibel. Er hätte die Angelegenheit an die Kirchgemeindeversammlung bringen müssen. Dann wäre vielleicht die ethische Frage gestellt worden: Darf man eine Antennenanlage in einem Kirchturm platzieren? Man muss nicht eine Liebesbeziehung zur Kirche und Religion im Allgemeinen haben, um diese Frage klar zu verneinen. Eine Mobilfunkantenne an einem geweihten Ort, der für Gebet und Gottesdienst reserviert ist, ist völlig unpassend.

urs.byland@chmedia.ch

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