Persönlich

Meine erste Million

In der Schule schrieb der Lehrer von Urs Huber die Zahl 1 Million aus. Das beeindruckte.

In der Schule schrieb der Lehrer von Urs Huber die Zahl 1 Million aus. Das beeindruckte.

Es stand in dieser Zeitung zu lesen, die vier Trägerkantone der Fachhochschule Nordwestschweiz würden in den kommenden vier Jahren eine Milliarde Franken ins Bildungsinstitut einschiessen. Für mich unvorstellbare Geldmengen. Aber ich erinnere mich dabei an meine erste Million vor 50 Jahren.

Die Atmosphäre: geladen. Der Lehrer bat diskret, aber erfolgreich um Aufmerksamkeit, während wir in Bänken nebeneinandersitzend der Botschaft harrten. Er schritt zum Kreidebecher, stellte sich mit dem Rücken zur Klasse hin und schrieb in gelenken Ziffern eine Eins mit sechs folgenden Nullen an die Wandtafel. Dann sagte er: «So schreibt man eine Million.»

Ruhe. Nachdem wir die Chose begriffen hatten, raunten wir einander ein unterdrücktes «Uaaah» zu. Das «huereguet» überliessen wir den gottlosen Reformierten, die nie zur Kirche gingen und trotzdem auf dem Friedhof bei der katholischen Kirche beerdigt wurden. Das empfanden wir eigentlich als ungerecht. Aber der Taumel rund um die Million machte diese Dissonanz verkraftbar.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Es blieb bei dieser Millionenerfahrung für mich. Aber heute versteh’ ich, warum auch Reformierte auf dem Friedhof neben der katholischen Kirche beerdigt werden. 

urs.huber@chmedia.ch

Autor

urs huber

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