Junge Frauen und Männer pochen auf ihre Individualität. Unsere Multioptionsgesellschaft bietet dazu ungeahnte Möglichkeiten. Noch nie gab es so viele Alternativen, sich von den Eltern abzugrenzen, eigene innovative Lebensentwürfe zu realisieren. Und auch Berufslaufbahnen einzuschlagen, unter denen sich Vater und Mutter kaum etwas vorstellen können. Während sich so mancher Jugendlicher aber mit seinen Erzeugern etwa bei der Kleiderwahl und dem Musikgeschmack harte Auseinandersetzungen liefert, trifft das auf die Berufswahl selten zu. Dort also, wo entscheidende Weichen gestellt werden, vertrauen die jungen Leute ihren Eltern. Selten gibt es junge Männer und Frauen, die sich gegen den Willen der Eltern für eine bestimmte Ausbildung entscheiden.

Vielmehr treten die Sprösslinge oft in die Fussstapfen ihrer Erzeuger: Wie Vater und Mutter, so der Sohn oder die Tochter. Das hat ein Forschungsprojekt zu Berufsfindungsprozessen an der Pädagogischen Hochschule FHNW in Solothurn deutlich gemacht. Eltern, Bekannte und Verwandte beraten die Kinder vor dem Hintergrund ihrer eigenen Lebens- und Berufskarrieren. Das soziale und berufliche Gefüge reproduziert sich von einer Generation zur nächsten.

Das war schon immer so – und daran dürfte sich so bald nichts ändern. Eltern wollen das Beste für ihre Kinder. Wo aber bleibt der Mut von Jugendlichen und ihren Beratern, Neues zu wagen, auszubrechen aus gewohnten Bahnen – und die Vielfalt, die sich ihnen bietet, zu nutzen? Zu ihrem eigenen Vorteil – und zum Vorteil der sich ständig verändernden Gesellschaft.

elisabeth.seifert@azmedien.ch