Schliessung

Manor Food geht, und wir werden Aldisiert, verlidlt, cooperativ zu Migros verdennert

Die Uhr von Manor Food am Standort Solothurn läuft 2018 ab.

Die Uhr von Manor Food am Standort Solothurn läuft 2018 ab.

Der Weg zur Aufgabe von Manor Food in Solothurn riecht nach raffiniertem Kalkül.

Was ist, wenn vor Mitte 2018 wegen Einsprachen nicht umgebaut werden kann? Die Antwort des damaligen Manor-Direktors in Solothurn kam 2016 im Nu: «Dann ist es gestorben.» Seit gestern steht fest: Das Projekt, Manor Food vom Rand ins Herzen der Stadt, in das Warenhaus an der Gurzelngasse, zu verpflanzen, ist geplatzt.

Nicht überraschend. Denn der Plan wirkte stets etwas absurd: Zuerst kündet Manor den Mietvertrag für seinen Standort auf Mitte 2018. Erst dann reicht man ein Umbaugesuch ein. Gespickt mit einem Minenfeld von Einsprachegründen. Massiv mehr Anlieferungsverkehr durch eine enge Gasse – Juristenfutter vom Feinsten. Das schier ewig zur Umbauverzögerung reicht. Sicher für mehr als die einkalkulierten eineinhalb Jahre, bis der Umbau beginnen sollte.

Handelte Manor also blauäugig? Oder gar raffiniert, um die offenbar kaum rentable Food-Filiale in der Schanzmühle elegant schliessen zu können, mit dem Zuschieben des schwarzen Peters an die renitente Nachbarschaft? Natürlich stellt sich auch immer die Frage, was die Stadtbehörden hätten tun können, um den jetzigen GAU mit dem absehbaren Verlust von 45 Arbeitsplätzen zu verhindern. Wahrscheinlich wenig. Denn zuletzt passte das nicht bewilligte Solothurner Projekt perfekt in das gestern von Manor verkündete Sparprogramm, auf PR-Neudeutsch «Transformation» geheissen: Auch in Basel sind damit 200 Stellen futsch.

Manor verliert an Image, Solothurn ein spezielles Einkaufserlebnis mit Top-Produkten und kompetentem, freundlichem Personal, dazu etliche regionale Produzenten ihren Abnehmer. Wir bleiben zurück: Aldisiert, verlidlt, cooperativ zu Migros verdennert.

Wolfgang.Wagmann@azmedien.ch

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