Was wäre Wien ohne seine Würstelbuden? Was Solothurn ohne Cheschtelemuni? Einen Aufschrei gäbe es in Wien wie bei uns, käme beides abhanden. Die Wurst dagegen ist uns wurst. Die Aufregung eher lauwarm, als Chris van den Broeke, der neue «Bistraito»-Pächter, trotzig verkündete: «Wir werden um den Aussengrill kämpfen.»

Eine Ankündigung ohne Wert: die städtische «Lex Grill» greift. So wird der Wirthen-Wirt künftig seine Würste drinnen zubereiten müssen. Zu fürchten ist, dass die Qualität des knusprigen Darminhalts nicht mehr dieselbe ist.

Sicher nicht das Hauptproblem in Solothurn, aber halt doch ein Armutszeugnis, dass es gegrillte Wurst unter freiem Himmel mitten in der Stadt nicht mehr ständig gibt. Wenn Stadtmetzger Wälchli sein Privileg altershalber auch noch aufgibt, ist damit definitiv Schluss.

Das sollte doch einen Tourismusdirektor nicht kalt lassen. Auch wenn es um eine heisse Kartoffel, pardon Wurst geht. Oder all die kreativen Polit-Köpfe, die sich bei jedweder Gelegenheit für ein paar Velo- oder E-Mobile-Parkplätze ins Zeug legen. Entspringt doch das Grillverbot einer gewissen Bequemlichkeit, sich nicht mit jedem Beizer, der draussen braten will, befassen zu müssen.

Alle haben gleich lange Spiesse – nämlich keine. Die Grilldüfte dürfen kein wirkliches Argument sein. Eine Stadt, die nach nichts mehr riecht – weder nach Marroni, Gipfeli oder Kebab – ist keine lebendige Stadt mehr. Es bräuchte nur eine Reglementsänderung, damit die Stadt Grill-Lizenzen vergeben kann.

Mit Auflagen, für gutes Geld. Solche Vorgaben garantieren, dass sich nur professionelle Gastro-Betriebe bewerben. Die Lizenz-Vergabe muss transparent, nach einheitlichen Spielregeln erfolgen. Aber – das gäbe halt zu tun.