Es hat mir wehgetan. Schon die blosse Ankündigung der Meteorologen, der Hochsommer verabschiede sich, schmerzte. Und als die Prognose tatsächlich eintraf, war alles noch viel schlimmer. Nass war es draussen. Und kalt. Vor allem aber dunkel. Untrügliches Zeichen dafür, dass der Jahreszeitenwechsel nicht fern ist.

Das frühmorgendliche Joggen war denn auch kein Aufsteller. Meine Miene hellte sich erst auf, als ich im Halbdunkel einer Mutter mit ihrem Kind und Hund an der Leine gewahr wurde. Das Mädchen trug seinen nigelnagelneuen Schulthek am Rücken. Wohlverstanden, es war sechs Uhr in der Früh. Und die erste Stunde war um acht.

Als ich die mir bekannte Mutter ansprach, was sie denn so früh schon auf den Schulweg treibe, begann das Mädchen zu schluchzen. Die Mutter hielt es an der Schulter, drückte es an sich und flüsterte mir zu: «Es ist das letzte Mal, dass sie am Morgen mit ihrem Hund die erste Runde drehen kann.»

Worauf sich das Mädchen fasste und meinte: «Alles, was Freude macht, nehmen einem die Erwachsenen weg. Die Freizeit, den Hundespaziergang, die Kindergärtnerin und jetzt auch noch den Sommer.»

Ich konnte, ehrlich gesagt, nicht widersprechen. Und wollte es auch nicht. Es stimmte. Lektion eins zum Ernst des Lebens.

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