Es ist mir bewusst, dass die Bildung kantonaler Hoheit unterliegt. Und so hätte das Thema Bildung in dieser Kolumne eigentlich nichts verloren. Warum schreibe ich trotzdem darüber. Einerseits weil ich als Lehrperson eine Meinung zu diesem Thema habe und andererseits, weil der Kanton zwar ständig Neues erlässt, zahlen dürfen aber zu einem grossen Teil die Gemeinden. Da wären wir beim Thema Finanzen, und die stehen in Grenchen nicht zum Besten.

Grenchen hat als eine von wenigen Schulträgern an den Kleinklassen und Werkklassen festhalten können. Nun soll ab 2018 die Spezielle Förderung flächendeckend definitiv eingeführt werden. Das bedeutet, dass alle Schülerinnen und Schüler (SuS), egal was für Defizite sie aufweisen, in die Regelklassen integriert werden. Dort werden sie dann von Heilpädagogen (HP) für eine gewisse Lektionenzahl pro Woche unterstützt und gefördert. Und genau dort liegt der Hase im Pfeffer: Die Lektionenzahl, der sogenannte Lektionenpool, der von Solothurn aus finanziert wird, wird in Zukunft nicht ausreichen, um die Situation zu entschärfen. Die Regierung und der Lehrerverband beteuern immer wieder, dass die Integration ein Erfolg sei. Worauf begründen sie alle ihre Annahme? Nach der Sek.-I-Reform – bereits schon wieder in der Kritik stehend! – ist die Bandbreite an Niveaus in den Klassen gewachsen, was eine grosse Herausforderung für die Lehrpersonen bedeutet. Nun beabsichtigt man, diese Bandbreite nochmals zu vergrössern, indem man auch Verhaltensauffällige und Lernschwache in den Regelklassen aufnimmt.

Mir ist keine Studie bekannt, die den Erfolg der Integration untermauert. Dass in ländlichen Gebieten eine Integration durchaus Sinn macht, weil es zu wenige Kinder mit Integrationsbedarf gibt, leuchtet jedem ein. Aber in Städten und deren Agglomerationen ist die Ausgangslage jeweils anders. Da braucht es etwas anderes als das Giesskannenprinzip. Demnach erhalten alle Schulträger etwa für die Primarschule zwischen 20 und 28 Lektionen Unterstützung pro 100 Kinder. Bei einer Klassengrösse von 20 bedeutet dies, 4 bis 5.5 Lektionen pro Woche. Und was macht die Klassenlehrperson mit diesen SuS in der restlichen Zeit? Gut, es gibt da noch die regionale Kleinklasse, wo man SuS temporär unterbringen kann, wenn es in der Regelklasse gar nicht mehr geht. Doch dies bedeutet vermehrten administrativen Aufwand, der dann für die Kernaufgabe, nämlich das Unterrichten, wegfällt.

Kommt noch hinzu, dass es an ausgebildeten HP mangelt. Dass diese schlussendlich bis zu 3 Lohnklassen höher eingestuft sind, als die Klassenlehrpersonen – auf denen der grösste Teil der Verantwortung lastet – macht die Geschichte nicht wirklich besser. Ich weiss, dass es viele gibt, die so denken wie ich. Warum meldet sich niemand zu Wort?