Persönlich

Irgendetwas ist anders

An den Bahnhöfen ist eine neue Stimme zu hören.

An den Bahnhöfen ist eine neue Stimme zu hören.

Zugegeben, es dauerte einige Tage, bis ich gewahr wurde, was sich bei meiner Ankunft auf dem Perron verändert hatte. Es war nicht ein neuer Wartesaal. Es war nicht ausgetauschter Gleisschotter. Es war nicht eine neue Anzeigetafel. Nein, es war eine neue Stimme, die mich auf den nahenden Zug aufmerksam machte (der pünktlicher ist als auch schon).

Sympathisch klingt die Stimme im Ohr. Sie hat etwas ebenso Warmes wie Verbindliches. Fast möchte man das Gesicht hinter der Stimme kennen lernen. Oder etwa doch nicht? Enttäuschend wäre es, was man (nicht) zu sehen bekäme. Denn die Stimme kommt mitnichten aus einem menschlichen Mund, sondern ist das Produkt eines Computers beziehungsweise dem Programm eines deutschen Software-Anbieters entsprungen.

Ziemlich gut hat der das gemacht! Das leicht Kehlige des Schweizerdeutschen, das auch in der Schriftsprache hörbar bleibt, ist ebenso enthalten wie die Imagination, es spreche einen ein Mensch aus Fleisch und Blut persönlich an. Und auch frühere Verirrungen wie das missverständliche «Achtung, Zug fahrt» für «Durchfahrt eines Zuges» sind nicht wieder aufgetaucht. «Natürlich, sympathisch und angenehm» – für einmal halten die SBB, was sie versprechen.

balz.bruder@chmedia.ch

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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