Die SP ist die grosse Gewinnerin der heutigen Parlamentswahlen im Kanton Solothurn: Sie vermochte bei den Wähleranteilen die 20-Prozent-Marke wieder zu überspringen und sich hinter der FDP als zweitstärkste politische Kraft im Kanton Solothurn zu positionieren. Unter die 20-Prozent-Marke und damit auf Platz 3 fiel hingegen die SVP, die jetzt nur noch eine Nasenlänge vor der CVP liegt.

Eine Erosion ist bei den kleinen Parteien festzustellen. Sie haben alle verloren, am meisten GLP und BDP. Der Gewinn an Wähleranteilen der Sozialdemokraten widerspiegelt sich auch bei der Mandatsverteilung: Die SP ist die einzige Partei, die Sitzgewinne verbucht, 2 von der CVP und je 1 von SVP und GLP.

Auch bei den Regierungsratswahlen ist die SP auf Kurs. Ihre Kandidatin Susanne Schaffner liegt direkt hinter den drei wiedergewählten Regierungsräten. Hinter ihr folgt Brigit Wyss, die sich wie vor vier Jahren, als sie im ersten Wahlgang sogar vor Remo Ankli und Roland Heim lag, wieder bestens zu platzieren vermochte.

Noch vor Marianne Meister, die für eine FDP-Regierungsratskandidatin ein bescheidenes Resultat erzielte. Meister muss nun hoffen, dass nicht sie ein Déjà-vu erlebt, sondern Brigit Wyss. Sie war im zweiten Wahlgang bei den Regierungsratswahlen 2013 durchgefallen, Meister bei den Ständeratswahlen 2015. Auf jeden Fall zeichnet sich nun ein Kampf zwischen dem links-grünen und dem bürgerlichen Lager ab.

Mitentscheidend wird sein, wie sich die Wählerschaft von CVP, die ihre beiden Regierungsmandate unter Dach hat, und die SVP, die einmal mehr mit einem Kandidaten scheiterte und nach der heutigen Schlappe kaum nochmals antreten wird, verhalten. Im Sinne der Konkordanz liegen die Vorteile bei Susanne Schaffner und Marianne Meister, den Kandidatinnen der beiden stärksten politischen Kräfte im Kanton Solothurn.

Es ist davon auszugehen, dass nach dem 23. April 2017 im Kanton Solothurn erstmals ein Frauenduo in die Regierung einziehen wird – 30 Jahre nach der Wahl von Cornelia Füeg als erste Regierungsrätin.

Auch in Olten stehen die Chancen für die Wahl von zwei Frauen in die Stadtregierung gut. Die Situation ist ähnlich wie auf kantonaler Ebene. Drei bisherige Stadträte schafften auf Anhieb die Wahlhürde. Und das direkte Verfolgerfeld bilden drei Frauen, ebenfalls zwei Kandidatinnen aus dem rot-grünen Lager vor einer freisinnigen.

Einen Achtungserfolg erzielte heute der junge Simon Gomm (Junge SP), der nur 82 Stimmen hinter der FDP-Kandidatin Monique Rudolf von Rohr und 475 Stimmen vor dem «wilden» FDP-Kandidaten Thomas Rauch liegt. Für Rauch ist das Rennen gelaufen.

Fazit: Obschon hinsichtlich der Exekutivwahlen noch einiges offen ist, darf gesagt werden, dass die gestrigen Wahlen keine grossen Veränderungen zeitigten. Grösste Verliererin war die Demokratie: Die Wahlbeteiligung lag bei den Kantonsratswahlen mit 35,3 Prozent auf einem Rekordtief.

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