Ein Seelsorger disqualifiziert sich selbst. Das hat der Strafprozess um den «Drogenpfarrer» aus Subingen deutlich gemacht. Selbst wenn ihm das Gericht nur einen bedingten Freiheitsentzug aufbrummt und er nicht hinter Gitter muss – als Pfarrer dürfte der Deutsche nicht mehr arbeiten. Es wäre kaum nachvollziehbar, wenn ihn noch einmal eine Kirchgemeinde als Vorsteher anstellen sollte. Die absehbare Vorstrafe dürfte dies verhindern. Vor allem aber seine Unfähigkeit zur Abgrenzung. Der Angeklagte erfüllt die Anforderungen an den Pfarrberuf nicht.

Ohne Vorbehalte streckte der Theologe allen die Hand entgegen, die seine Hilfe erbaten. Selbst wenn sie ihm unverblümt ins Gesicht logen. Der Mann ertrug und erduldete alles. «Wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so gehe mit ihm zwei», heisst es in der Bibel sinngemäss. Dies sah er als seine unerschütterliche, moralische Pflicht.

Dabei wurde er zielblind. Er hat es versäumt, die Folgen seines Tuns zu hinterfragen, und stoisch akzeptiert, dass durch Geldwäsche sowie den Handel mit Drogen Leid verursacht wird. Als ihm dämmerte, bloss ein Rädchen in den Verbrecherstrategien seiner Schützlinge für Kokaingeschäfte zu sein, war es zu spät.

Neben Nächstenliebe gehört auch ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein zum Jobprofil eines Pfarrers. Und die Fähigkeit, bei aller Loyalität Nein sagen zu können. Wer das nicht schafft, ist als Leiter einer Pfarrgemeinde in der falschen Position.

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