In der Stadt Solothurn geht der Wahlkampf um: Franziska Roth will den Job von Kurt Fluri. Daran lässt sie keinen Zweifel. Entsprechend macht die SP-Frau dem FDP-Mann das an sich schon genügend anforderungsreiche Stadtpräsidentenleben noch schwerer.

Doch gravierende Schwachpunkte mit Hebelwirkung sind beim Herausgeforderten nicht im Multipack auszumachen. Nun denn, wer suchet, der findet – die flurische Achillesferse scheint Roth nun doch ausgemacht zu haben: Die unzufriedenen Sportvereine mit ihren vielen, nicht minder unzufriedenen, sprich sich vernachlässigt fühlenden Mitgliedern. Die gibt es in der Tat.

Der Solothurner Finanzplan sieht zwar vor, dass regelmässig etliche Millionen dem Sport zufliessen, doch ein ganzheitliches Konzept sowohl für den Breiten- als auch für den Leistungssport existiert nicht. Und der Stadtpräsident sieht darin keinen Mangel. Im Gegenteil, er erachtet dieses Vorgehen gar als richtig. Roth sieht bei dieser Haltung rot. Kein Wunder, wird derzeit bei jeder Gelegenheit darüber gestritten.

Für mindestens so viel Unmut sorgt allerdings das Trauerspiel um die baufällige CIS-Sporthalle unweit der Solothurner Badi. Hier hat sich die Stadt vertraglich über den Tisch ziehen lassen und seither wird sie vom kaltschnäuzigen Baurechtsnehmer regelrecht vorgeführt. Beobachter schütteln längst den Kopf, genauso wie die vielen Benutzer, die sich dort drinnen immer wieder Verletzungen zuziehen, im Sommer gegrillt werden und sich im Winter Frostbeulen holen.

Das Fehlen einer zeitgemässen Sporthalle auf Stadtgebiet sorgt also für hitzigen Diskussionsstoff. Seinen Anteil daran hat jedoch auch der Kanton. Er redet seit Jahren um einen Hallenneubau herum, obwohl er das vom Bund verordnete Lehrlingsturnen nicht länger ignorieren durfte. Er wäre in der Pflicht. Es herrscht Funkstille.

In und um Solothurn wird nicht zuletzt dank engagierten Vereinen enorm viel Sport getrieben. Die Idee von einer Sportstadt Solothurn könnte in der Tat ein erfolgsversprechendes Projekt zum Vorteil der gesamten Region sein. Das Potenzial ist vorhanden. Nebst Verstand und Willen braucht es jedoch auch viel Herz. Wäre Dölf Ogi ein Solothurner, würde er wohl sagen: Wir wohnen an einem fliessenden Gewässer, also führen wir endlich den obligatorischen Schwimmunterricht in den Schulen ein und jedes Jahr organisieren wir ein grosses Schulsportfest.

Richtig, Fluri ist nicht Ogi. Dessen Affinität zum Sport geht ihm ab. Die aktuell aufgeflammte Kritik pariert Kurt Fluri jedoch nicht zu Unrecht mit den Worten, er sei erstaunt ob der plötzlichen Sportfreundlichkeit seiner Gegner und er hoffe, dass sie auch über den anstehenden Wahltermin hinaus anhalte.

 theodor.eckert@azmedien.ch