Spätestens als Richterbeisser hat Kuno W. national für Schlagzeilen gesorgt. Wird über ihn berichtet, greifen die Onlineportale zu den ganz grossen Buchstaben. Kein Wunder, der Mann generiert allein mit seinen Aussagen gegen missliebige Staatsvertreterinnen mehr Aufmerksamkeit als jedes Pornosternchen. Von seinen Untaten als Voll-Kontakt-Kämpfer gegen männliche Artgenossen schon gar nicht zu reden.

Wer allein diesen Medien-Kuno zur Kenntnis nimmt, kann nicht anders als den Kopf schütteln ob seiner Ausraster und wird der Solothurner Staatsanwaltschaft beipflichten, die den Mann aus dem Verkehr ziehen will. Im jüngsten Aufeinandertreffen vor Gericht wurde denn auch die Verwahrung gefordert.

Aus der (Leidens-)Geschichte von Kuno W. lässt sich unschwer ablesen, dass er über Amok-Potenzial verfügt. Dieses bricht dann aus, wenn er mit dem Rücken zu Wand steht. Wörtlich und im übertragenen Sinn. Gepflastert sind seine Wände mit staatlichen Bausteinen. Wer Kuno W. jedoch auf der Strasse begegnet, ihn als Gast einer Regierungsrats-Sitzung beobachtet, sich mit ihm bei einem Redaktionsbesuch auseinandersetzt, kann einen interessierten, intelligenten und zugänglichen Zeitgenossen erleben.

Das Dilemma ist offensichtlich, es stellt sich die Gretchenfrage: Was macht ein Rechtsstaat westlicher Prägung im Jahr 2018 mit einem unberechenbaren, uneinsichtigen und auch schon mal unerträglichen Bürger, der sein Dasein ohne Hilfe nur schwer auf die Reihe kriegt? Das Gericht hat sich richtigerweise gegen die Verwahrung ausgesprochen. Knapp drei Jahre Haft für die begangenen Taten sind indes auch nicht ohne. Die Prognose sei gewagt, wir werden danach keinen anderen Kuno W. sehen. Dann ist eine Alternative gefragt: Ein begleitetes Leben in reizarmer Umgebung ohne Gitterstäbe.

theodor.eckert@azmedien.ch