Schliessung Schibli Möbel

Für kleine Detaillisten wird die Luft immer dünner

Die Schibli Möbel AG in Trimbach, die sich zuletzt als Relax-Center auf dem Möbelmarkt halten wollte, sieht sich veranlasst, per Ende Jahr die Geschäftstätigkeit vollständig aufzugeben.

Die Schibli Möbel AG in Trimbach, die sich zuletzt als Relax-Center auf dem Möbelmarkt halten wollte, sieht sich veranlasst, per Ende Jahr die Geschäftstätigkeit vollständig aufzugeben.

Wochenkommentar zur bevorstehenden Schliessung der Schibli Möbel AG in Trimbach.

Die Schibli Möbel AG schliesst per Ende Jahr die Tore. Damit verschwindet in der Region ein Traditionsunternehmen mit einer 73-jährigen Firmengeschichte. «Wir müssen uns den Marktverhältnissen und dem zunehmenden Einkaufstourismus beugen», stellt Firmenchef Rolf Schibli fest.

Alle Versuche, diesen Entwicklungen zu trotzen, brachten nicht den gewünschten Erfolg. So wollte Schibli etwa vor zehn Jahren mit einem eigenen Abholmarkt unter dem Label «Möbill» dem veränderten Einkaufsverhalten Rechnung tragen. Denn wie bei andern Einrichtungsgegenständen wird heute auch bei Möbeln nicht mehr gross auf Langlebigkeit gesetzt, sondern vielmehr auf den Preis.

Und zuletzt unternahm Schibli den Versuch, sich mit der Schaffung eines Relax-Centers auf einen Möbelbereich zu fokussieren, welcher derzeit sehr gefragt ist: Bequeme Sessel, Polstermöbel, Bettsofas, Betten und Bettinhalte. Das spülte zwar wieder etwas mehr Geld in die Kasse, aber zu wenig, um den Turnaround zu schaffen. Hinzu kommt, dass es dem 64-jährigen Unternehmer versagt blieb, eine Nachfolgeregelung zu treffen.

Beratung bei den Kleinen – Einkauf bei den Grossen

Viele kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), vor allem Detailhändler, stehen heute am gleichen Scheideweg, an dem sich Rolf Schibli schweren Herzens für die Schliessung entschieden hat, wohl entscheiden musste. KMU haben es im Kampf gegen die Grossen immer schwerer, nicht nur, aber ganz besonders im Detailhandel.

Denn die Grossen können mit grösseren Kellen anrichten als die Kleinen. Und eine altbekannte Faustregel lautet: Grosse Mengen, kleine Marge – kleine Mengen, grosse Marge. Doch im Internetzeitalter gelten überall nur noch kleine Margen, weil sich die Kunden online über alle Produktepreise informieren können.

KMU müssen somit auch bei kleinen Mengen mit kleinen Margen rechnen, was oft nicht mehr ausreicht. Und mit den Fachberatungen ist es so eine Sache: Nicht selten informieren sich Kunden in kleinen Fachgeschäften über Produkte und kaufen diese dann bei einem Grossen oder übers Internet ein. Betroffen sind fast alle Branchen, vom Autohandel über Haushaltgeräte, Unterhaltungselektronik sowie Mode und Sportartikel bis zu den Möbeln.

Um Kunden zu gewinnen, sind Innovationen gefragt

Hinzu kommt, dass der billige Euro die Schweizer Konsumenten in Scharen zum Einkaufen ins benachbarte Ausland lockt. Laut einer Schätzung der Grossbank Credit Suisse sind dem hiesigen Detailhandel im vergangenen Jahr durch den Einkaufstourismus insgesamt 11 Milliarden Schweizer Franken entgangen. Die Konsumenten sind eben heute besser informiert und kaufen dort ein, wo sie am meisten fürs Geld erhalten. Auch Zeit ist Geld – deshalb wird das Online-Shopping mit (Gratis-)Lieferung der Ware direkt vor die Haustür immer beliebter.

Und jene, die das Shoppen als Erlebnis sehen, setzen auf Attraktivität und Kundenfreundlichkeit. Diese beginnt bei der Erreichbarkeit, Parkierangeboten und Ladenöffnungszeiten. Doch Patentrezepte gegen den Einkaufstourismus gibt es nicht.

Fakt ist: Mit Preissenkungen mithalten zu wollen, ist nicht möglich. Deswegen muss man einen Mehrwert generieren. Zum Beispiel mit individuellen Dienstleistungen, die sich die Grossen nicht leisten können. Ein Mehrwert kann aber zum Beispiel auch, wie in Olten, eine Flanierzone sein, die während dem Einkaufen zum erholsamen Verweilen einlädt. Oder Kinderhütedienste, damit die Eltern unbelastet einkaufen können. Oder Kurierdienste, mit denen sich Kunden den Einkauf bequem nach Hause liefern lassen können. Um Kunden zu gewinnen, sind solche und andere Innovationen gefragt.

50 000 Familienunternehmen müssen Nachfolge regeln

Zu einer grossen Herausforderung ist für KMU auch die Nachfolgeregelung geworden. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass hierzulande vier von fünf Unternehmen Familienbetriebe sind. Und gemäss einer Erhebung der Zeitschrift «Beobachter» vom letzten Jahr rechnet man in den nächsten fünf Jahren mit über 50 000 Familienunternehmen, welche die Nachfolge regeln müssen. Bei Kleinunternehmen, in denen es keine familieninterne Nachfolge gibt, ist das Schicksal vielfach unmittelbar mit der Person des Patrons verbunden. Zudem operieren Kleinunternehmen häufig an der Profitabilitätsgrenze, was eine Übergabe oder einen Verkauf der Firma erschwert.

Doch es gibt auch viele prosperierende KMU, die sich um die Nachfolge keine Sorgen machen müssen. In der Regel sind es jedoch nicht diese, die sich nicht rechtzeitig um eine Nachfolgeregelung kümmern. Manche wissen nicht richtig, wie mit diesem wegweisenden Schritt umzugehen ist und viele haben – verständlicherweise – auch Mühe damit, ihr Lebenswerk in fremde Hände zu geben. Oft gibt es jedoch keinen anderen Weg. Für die Schibli Möbel AG wäre eine solche Lösung sogar ein Glücksfall gewesen. Schade, dass dieser Wunsch für Rolf Schibli nicht in Erfüllung ging.

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