Kommentar

Freiheit durch Unfreiheit retten

Balz Bruder
Seit Montag ist die Schutzmaske im öV Pflicht.

Seit Montag ist die Schutzmaske im öV Pflicht.

Dürfen wir uns auch selber einmal auf die Schulter klopfen? Wenn es aus gutem Grund ist, dann gern. Und es ist einer: was für ein Unterschied gestern Morgen in Bus und Zug gegenüber den Verhältnissen am Ende der letzten Arbeitswoche. Fast schon stolz über so viel Disziplin stülpten wir uns die Schutzmaske über Nase und Kinn.

Und bewiesen damit zweierlei: Erstens nehmen wir zum Schutz der Gesundheit – der eigenen und jene der anderen – auch diese obrigkeitlich verordnete Einschränkung in Kauf. Zweitens, motivisch nicht zu unterschätzen, will im Zeitalter der sozialen Kontrolle niemand aus der Reihe fallen. Wehe dem, der oder die . . . Das wirkt hierzulande nach wie vor. In diesem Fall ist das nicht einmal zu beklagen, im Gegenteil.

Doch damit der Kontraste nicht genug: was für eine Liederlichkeit im Umgang mit diesen unsäglichen Partys in diesen unsäglichen Zeiten. So wie es ein Fehler war, die Maskenpflicht im ÖV nicht schon vor zwei Wochen zu verordnen, so unverständlich ist es, dass es immer noch Clubs gibt, die, ebenso hoheitlich legitimiert, ihre Türen offenhalten können. Die Folgeerscheinungen von unbelehrbaren Partygängern sind die logische Konsequenz.

Halten wir es deshalb mit jener Verfassungsrechtlerin, die jüngst gesagt hat: Manchmal muss man Freiheitsrechte einschränken, um die Freiheit zu schützen.

balz.bruder@chmedia.ch

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Balz Bruder

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