Immer diese 98er. Sie stehen für Revolution. 1798 fiel der alte Stadtstaat Solothurn mit dem Einmarsch der Franzosen in sich zusammen. Und plötzlich war alles ganz anders. 200 Jahre später, im Sommer 1998, begann eine weitere Revolution in Solothurn. Zugegeben, nicht ganz so spektakulär, aber doch mit weitreichenden Folgen. 2000 Jahre, so lange, wie das Aareufer besiedelt war, hatte Solothurn nämlich ein permanentes Problem: Hochwasser. Oft stieg es meterhoch; schwappte in die Stadt; auch Quaimauern schützten nicht mehr. Die standen für eine Geisteshaltung: Mit der Aare haben wir nichts am Hut – Schotten dicht!

Doch im Sommer 1998 waren Hochwasser schon seit 30 Jahren Geschichte. Der Aareregulierung sei Dank. Solothurn interessierte sich plötzlich für seinen Fluss, seine Ufer und den möglich gewordenen Lebensraum. Erste Projekte wurden gewälzt, Luftschlösser gesponnen, die zu Wasserschlössern wurden: «SolHeure», Seminarmeile, Hafebar, Bootshafen und mehrere kleinere Aare-Hotspots. Undenkbar, dass es sie alle vor 20 Jahren noch nicht gegeben hat. Und nach dem Willen von etlichen Skeptikern auch nie hätte geben dürfen. Ja, kapitalen Verhinderern, bis hin zu dem für die Aare zuständigen Regierungsrat, dem Bau- und Justizdirektor. Auch er lernte nach 1998 dazu, besann sich anders, stand dann mit Pate bei der Seminarmeile. Doch der Anfang war schwer mit dem Kiosk und Steg am Landhausquai. Nur – eine Revolution lässt sich nicht verhindern, wenn sie einmal in den Köpfen ist. Köpfe, die sich inzwischen im Sommer zu Hunderten, ja Tausenden entlang der Aare tummeln. Es lebe die Revolution!

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