HESO 2016

Es ist wie immer HESO. Wie immer?

Zum Start wird das Band durchschnitten zum Schluss knattern die Harleys durch Solothurn. Die HESO ist doch immer dasselbe. Oder?!

Zum Start wird das Band durchschnitten zum Schluss knattern die Harleys durch Solothurn. Die HESO ist doch immer dasselbe. Oder?!

Wochenkommentar zum Phänomen Herbstmesse Solothurn

HES0. Vier magische Buchstaben für Solothurn. Tatsächlich? Es gibt doch nichts Langweiligeres als diese HESO, mit vollem Namen Herbstmesse Solothurn. Der Aha-Effekt hält sich in engsten Grenzen. HESO ist immer in der letzten Septemberwoche, sie dauert jetzt nach der Abschaffung der Bettagssperre immer zehn Tage, sie wird immer mit dem Durchschneiden des Bandes eröffnet und immer mit dem Röhren der schweren Harley-Motoren abgeschlossen.

Das OK ist immer stolz auf die superschöne Sonderschau, nach dem Passieren der Reithalle tauchst du immer in die Sauerkraut-Berliner-Schwaden ein und versuchst zu verstehen, warum die Leute für Teigkugeln mit etwas Konfitüre drin so lange anstehen.

Nicht besser ist es unten im Schanzengraben. Jacky hämmert im Grizzly-Saloon wie immer in die Tasten, im Nightstyle-Zelt fliesst der Gin Tonic in Strömen, und tagsüber rennen die Säuli gäng wie gäng ihre Endlos-Schlaufen. Es ist HESO. Wie immer. Gähn!

Aber warum, um HESOs willen, gehen dann alle hin? Die Jungen, die Alten, die Kinder, Politiker, Rabattjäger, Partylöwen, die Bipper- und Wasserämter, Thaler, Gäuer, Christen und Heiden, Gourmands wie Gourmets, Männlein und Weiblein, einfach tutti quanti? Genau deshalb. Weil alle dort sind.

Vor allem auch in und hinter den 270 Ständen, in den vielen Beizli und Beizen, in der Sonderschau und den Partytempeln. Wir alle sind dort. Und dieses «Wir»-Gefühl trägt die HESO. Seit 39 Jahren. Das ist eine lange Zeit. Vor allem in vier Jahrzehnten, die geprägt waren durch einen rasant verlaufenen gesellschaftlichen wie technologischen Wandel.

In den Siebzigerjahren arbeitete das HES0-Sekretariat noch auf der Schreibmaschine, und telefoniert wurde mit der Wahl-Drehscheibe vom Festnetz aus. Doch ein Gnagi, ein Halbeli Weisswein oder der Berliner sind geblieben, was sie schon damals waren.

Nur billiger sind sie nicht geworden. Und auch Smartphones und Internet-Chatten können ein gutes Gespräch nicht ersetzen. Das sind Konstanten. Und Garanten – für weitere 40 Jahre HESO.

Die Grenzen des Jekami

Die so langweilig überhaupt nicht waren. Denn die heutige HESO-Generation geht hin und geniesst. Alles ist selbstverständlich geworden. Lustige Säulirennen, Party ohne Ende, eine spannende Sonderschau. Hat es früher alles nicht gegeben. Gerade mal ein Viertel der heutigen Aussteller, ein Grüppchen Stadtsolothurner Gewerbler, scharte sich einst um ein einziges HESO-Beizli.

Doch die Herbstmesse Solothurn ist rasch gewachsen, bis sie ihre heutigen, wohl definitiv nicht mehr verrückbaren Grenzen erreicht hat. Was eine wichtige Qualität ist. Denn noch mehr Aussteller, die es vors Baseltor zöge, gäbe es genug. Bodensee- und Genfersee-Winzer, Matratzen-Hützer vom Thurgau oder Grossgaragisten aus dem Aargau.

Die Warteliste beim HESO-OK ist lang. Das es sie überhaupt gibt, spricht für die Anziehungskraft einer Messe, die eben mehr ist als eine simple Gewerbeschau. Sondern ein Schmelztiegel der Gesellschaft. Von der jedes Segment eine Plattform zur Selbstdarstellung erhalten kann.

Seien es die Landeskirchen, Behinderten-Organisationen oder neu politische Parteien. Das macht die HESO so stark – in einer Messe-Landschaft, die sonst landesweit eher kriselt.
Happening statt Messe?

Genug gerühmt. Wir kommen zu den Risiken und Nebenwirkungen. Seit dem Mittelalter laufen Messen und Märkte nach dem ewig gleichen Prinzip ab: Anbieter von Waren treffen sich an einem geeigneten Ort, um diese dort an die Besucher des Marktes oder der Messe zu verkaufen.

Natürlich gehörte stets auch allerlei Kurzweil wie tanzende Bären oder später ein Karussell dazu. Aber abgehalten wurden Messen und Märkte primär stets wegen des Handels. Dieser nennt sich heute stationäres Geschäft. Aber genau diesem Modell droht in den Städten landauf, landab der Crash.

In vielen Branchen sind die Umsatzverluste durch den Online-Handel dramatisch, ja teilweise bereits existenzvernichtend geworden. Tendenz zunehmend. Wie lange also pilgern wir noch vors Baseltor, um real herumstehende Kühlschränke, Polstergruppen oder Fernseher zu erwerben?

Nun, wir geben der HESO trotzdem weitere 40 Jahre. Der Mensch wird gesellig bleiben, will aus dem Alltag ausbrechen und sich nach Lust und Laune vergnügen. Vielleicht kommt der HESO das Wörtchen «Messe» abhanden – es ist ja in der Abkürzung auch nicht enthalten. Sie wird dann wohl eher «Herbst-Happening» genannt. Unterwegs dazu ist sie nämlich längst.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1