Persönlich

Es ist tatsächlich Königstag geworden

Am Sonntag wurden zahlreiche Könige und Königinnen gekrönt.

Am Sonntag wurden zahlreiche Könige und Königinnen gekrönt.

Genau vor einer Woche war an dieser Stelle von Weihnachten, Sepp Herberger und dem Dreikönigstag die Rede. Sie erinnern sich: «Nach Weihnachten ist vor Weihnachten». Ausmündend in die Erkenntnis, dass das Königwerden im Fall des Schreibenden eine Mischung aus elterlicher Taktik bei der Namensgebung und schierem Glück beim Biss in den Königskuchen ist.

Zugegeben, post festum eigentlich kaum mehr der Rede wert. Wäre da nicht ein Ausflug an besagtem 6. Januar gewesen, der mich von Luzern nach Bern an die Hodler-Ausstellung führte. Auf dem Hinweg gings von Luzern über Sursee und Zofingen in die Bundesstadt, auf dem Rückweg durchs Emmental und Entlebuch.

Die Fahrt durch die Täler ist gar lang und schön – wer den Kambly-Zug je bestiegen hat, weiss, was es bedeutet. Und welche Vorkehrungen zu treffen sind, um die Reise unbeschadet zu überstehen. Also nichts wie rein in den Reinhard am Bahnhof in Bern und einen Königskuchen schnappen. Gesagt, getan und frohgemut eingestiegen in den grün-weissen Zug. Dann das feine Gebäck ausgepackt – und unversehens neugierig beäugt von zwei asiatischen Kindern, die mit ihren Eltern unterwegs waren.

Guter Dinge, wie ich war, bot ich den beiden ein Stück Königskuchen an, was auf helle Begeisterung stiess. Dann: Ein Biss, ein Treffer! Stolz streckte mir der etwa 8-jährige Bub den König entgegen, zeigte mit dem Finger auf sich und teilte mir mit: «Me, King, Baltazar!» Was kein Bluff war, wie sich herausstellte. Die Mutter, eine Philippinin, erklärte mir, ihr Sohn heisse Baltazar und sei das ganze Jahr König. Worauf ich antwortete: «Ich bin sein Bruder im Geist, auch wenn ich nur Balz heisse.»

balz.bruder@chmedia.ch

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Balz Bruder

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