Hunde, die bellen, beissen eben doch…

Die Briefe von Kuno W. sind leicht verständlich und fehlerfrei verfasst. Auf der Redaktion hat er auch schon mal als Wachtmeister in Armee-Uniform vorgesprochen. Ein reich dekorierter Soldat, der seine diversen Schützenabzeichen mit Stolz präsentiert. Im direkten Gespräch wirkt er hellwach. Er zeigt sich informiert und interessiert. Ein ganz normaler Zeitgenosse.

Doch Kuno W. kann auch anders. Seine Briefe enthalten zuweilen versteckte bis offensichtliche Drohungen. Im Direktkontakt hält er nicht zurück, wenn er seine Wut beschreibt oder auf seine Kompromisslosigkeit zu sprechen kommt. Und er schlägt zu, wenn sein Gegenüber nicht damit rechnet. So gestern erneut im Solothurner Obergericht. Kuno W. ist ein Wiederholungstäter.

Im Berufungsprozess gegen Andres Z., den St. Ursen-Brandstifter, ging es um dessen Verwahrung. Der Verhandlungstag war nicht öffentlich bekannt gegeben worden. Sehr zum Ärger von Kuno W., der sich für die Freilassung des Feuerlegers einsetzt: «Der ist harmlos, ich bin viel gefährlicher», die unmissverständlichen Worte des stämmigen Solothurners am Telefon als er sein Handy noch als freier Mann benützen konnte.

Dass Kuno W. kein Waisenknabe ist und im Umgang mit staatlichen Stellen rasch einmal die Geduld verliert, war allgemein bekannt. Gestern Dienstag war es wieder einmal so weit. Für unsere Breitengrade war die Attacke heftig. Doch niemand kann behaupten, dass sie völlig aus dem Nichts kam.

Aber eben: Wer mit unguten Absichten Solothurner Gerichte besucht, hat leichtes Spiel. Die Sicherheitsmassnahmen verdienen ihren Namen kaum. Nicht auszudenken, wenn der aufgebrachte Kuno W. eine Waffe dabei gehabt hätte. Wie man damit umgeht, weiss er nämlich bestens.