Standen Sie auch schon ungeduldig wartend in einem auf Smartphones spezialisierten Laden und folgten unfreiwillig den Beratungsgesprächen des Verkaufspersonals? Kürzlich hörte ich, wie einer dieser jungen, gut gestylten und mit viel Gel adrett frisierten Verkäufer einem in die Jahre gekommenen verzweifelten Rentner zu erklären versuchte, dass er mit seinem Passwort das iPhone nicht starten könne. Er müsse auch den SIM-Pin oder nach seinen zahlreichen Fehlversuchen den PUK-Code kennen.

Der Rentner meinte, er wisse doch seinen Code, hätte ein gutes Gedächtnis, erinnere sich sogar an seine als Rekrut erhaltene Matrikelnummer und Blutgruppe seines Grabsteins (zweiteilige an einer Halskette angehängte Erkennungsmarke der Schweizer Armee).

Der junge Verkäufer schaute verständnislos und schickte sich an, dem rüstigen Handybenutzer ein weiteres Mal zu erklären, dass sein technisches Wundergerät einen PUK-Code benötigte.

In Zukunft wird der bedauernswerte Rentner seine Smartphone-Fragen nicht mehr im Swisscom-Shop am Postplatz stellen können. Das einstige Vorzeigeobjekt für eine moderne Stadt schliesst seine Türen Ende April. Vermutlich werden jetzt die Handy-Einführungskurse der Pro Senectute noch mehr boomen als bisher.

Letzten Sonntag hatte ich dringende Briefe zu verschicken und leider keine Briefmarken zur Hand. Ich erinnerte mich an den Automaten in der Poststelle, wo man die Frankatur wählen und danach eine Kurbel drehen konnte, bis die gewünschten Marken ausgespuckt wurden.

Im Eingang der Post angekommen, vermisste ich diesen Automaten. Am Briefkasten stand nur, man könne Frankaturen mittels App bestellen. Wählt man die Nummer 414 mit dem Text «Marke» erhält man einen Code, den man auf den Briefumschlag schreiben könne. «Super Dienstleistung des Service public», dachte ich.

Leider hatte ich als modern denkender Handybenutzer kein Schreibzeug bei mir und konnte den Code nicht übertragen. Die Briefe verliessen Grenchen erst am nächsten Tag …

Dieser Tage startet unser Regionalflughafen zu einem einjährigen Pilotprojekt, das vorsieht, den Flugverkehr zwischen 18.00 und 8.00 Uhr ohne Fluglotsen zu regeln. Die landewilligen Piloten sollen sich in Zukunft gegenseitig über ihre Position und Landeabsichten informieren.

Das bedeutet, mein Vorname wird vermehrt auf den dazu vorgesehenen Funkwellen zu hören sein, wenn sich die Kapitäne der Lüfte im Sinne von «alles verstanden» ein «roger over» ins Mikrofon zurufen werden. Auf ein freundliches «welcome in Grenchen» der Fluglotsen werden die Flugzeugführer jeweils ab 18.00 Uhr bis zum nächsten Morgen vergeblich warten müssen.

Es geht auch ohne . . .! Es geht ohne Swisscom-Shop, ohne Fluglotsen, ohne Markenautomaten, ohne Kassenpersonal in Migros oder Coop, ohne Billett-Verkäufer im Bus, ohne Stationsvorstand im Bahnhof, dank E-Learning und Tablets in der Unterstufe bald auch ohne Lehrkräfte. Die Liste liesse sich täglich um neue «es geht ohne . . .» verlängern.

Manchmal frage ich mich, wo bleiben alle die von «es geht ohne» betroffenen Menschen? Kommt nicht einmal der Tag, an dem sich die Mutter Erde sagen wird, es geht auch ohne Menschen?