Julia Engelmann hat vor ein paar Jahren an einer deutschen Uni einen «Slam» mit obigem Titel zum Besten gegeben. Das entsprechende Video verbreitete sich in der Folge rasend und wurde zum Youtube-Hit. Kürzest zusammengefasst geht es darum, dass man nichts Wichtiges aufschieben soll, denn eines Tages werden wir alt sein und dann wird es zu spät sein.

Aufschieben lassen sich Altersfragen sowieso nicht, sie liegen auf dem Tisch und wollen generationenübergreifend besprochen und gelöst werden. Altersfragen gehören zu den grösseren gesellschaftlichen und sozialpolitischen Herausforderungen, die sich auf Stufe Bund, Kantone und Gemeinden stellen. Ich meine nicht nur die ungelösten Fragen der Pflege und die regionale Vernetzung von ambulanten und stationären Angeboten, sondern die Entwicklungen im Bereich der Pflegeheime und der Spitex, alternative Wohnformen, spezielle Bereiche wie Demenz und Palliativpflege.
Die Zuständigkeit für das «Leistungsfeld Alter» liegt im Kanton Solothurn seit je bei den Gemeinden. Das Departement des Innern steuerte, regelte und koordinierte die wichtigsten zentralen Aufgaben. In den letzten Jahren hat sich das Departement jedoch immer mehr aus der Verantwortung gezogen und alles schleifen lassen. Vorausschauendes, planerisches Handeln wurde fast gänzlich eingestellt. So bewillige man mit der Heimplanung 2020 noch 250 zusätzliche Betten, als Beobachtern der Szene längst klar war, dass es diese Betten so nicht braucht. Von der Regierungsrätin habe ich seit Amtsantritt nichts Substantielles zu Altersfragen gehört, sie fühlt sich wohl nicht zuständig.

In der Folge dieses faktischen Rückzugs des Departementes des Innern aus der Alterspolitik übernahm der Verband der Solothurnischen Einwohnergemeinden nach und nach die Führung des «Alters». Damit existiert ein verengter Blick auf dieses ganzheitlich zu betrachtende Feld mangels entsprechender Fachlichkeit und Ressourcen auf der Ebene des Verbandes. Regionale vernetzte Alterskonzepte werden nicht flächendeckend, sondern nur vereinzelt und dank des Engagements einiger weiterblickenden Persönlichkeiten überhaupt diskutiert und teilweise realisiert.

Dieser partielle Abschied des Kantons aus der Verantwortung kann auch in anderen Leistungsfeldern beobachtet werden. Im Vergleich zu anderen Kantonen haben wir ja eine relativ günstige Verwaltung (als Nehmerkanton beim Finanzausgleich gehört sich das auch so). Wenn diese Verwaltung jedoch den Job nicht macht, bewerte ich die gegenwärtigen Ausgaben und den Ressourceneinsatz als zu hoch. Ich plädiere einmal mehr dafür, dass der Kanton seine Verantwortung bei den Aufgaben der sozialen Sicherheit wahrnimmt. So macht es sicher keinen Sinn, dass sich der Kanton aus Feldern zurückzieht, die geradezu nach kantonaler Koordination und Planung lechzen. Die Alterspolitik gehört zu diesen Feldern.
Als Kind stellte ich mir vor, wie unendlich lang mein Leben sein wird und wie kurz dagegen die verbleibende Lebenszeit meiner Eltern sein wird. Meine
Eltern waren damals in den Vierzigern, sie taten mir leid. Inzwischen befindet sich das «Kind» im 63. Lebensjahr.

Eines Tages werden wir alt sein Baby, werden wir alt sein.