Eines ist den Solothurnerinnen und Solothurnern nicht abzusprechen: Sie haben die wunderbare Fähigkeit, das Schöne auszudehnen. Beispiel gefällig? Andere Kantone ziehen am Tag X an die Fête des Vignerons, spulen in Vevey ihr Programm ab und gehen nach Hause.
Solothurn hingegen feierte sich und seine Präsenz am Winzerfest seit dem Nationalfeiertag. Mit einer dreitägigen Bootsfahrt, die in kecker Umkehrung der historischen Tatsache Wein in die Waadt brachte. Oder, wie es in der Fest-Gazette treffend hiess: «Le voyage dans l’autre sens».

Gewiss, man sollte die Botschaft nicht überhöhen – aber auch nicht überhören. Denn sie legt Zeugnis ab von einem Selbstbewusstsein und einer ironischen Selbstdistanz, die wohltuend ist im Konzert der Schrillen und Lauten. Zudem ist die Message eine, die sich nicht nur für Fest- und Feiertage eignet, sondern auch für den scheinbar kruden Alltag tauglich erscheint.

Gut beladen – bien chargé – war das Weinboot, gut gelaunt – de bonne humeur – die Mann- und Frauschaft, gut in Form – en pleine forme – das Publikum am Genfersee. Solothurn, eines der Scharniere zwischen den Sprach- und Kulturgrenzen, legte einen untadeligen Auftritt hin.

Ein Quäntchen «esprit de Vevey» täte über den Tag hinaus gut. Nicht nur dann, wenn es etwas zu feiern gibt, sondern auch, wenn die Solothurner Stimme in Bundesbern und anderswo zu vernehmen sein sollte.

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