Präsidentinnen und – häufiger – Präsidenten kommen und gehen. Bei Vereinen, Verbänden, Institutionen. Und wenn sie ankündigen, dass sie ihr Amt niederlegen, haben sie intern meistens bereits vorgesorgt. Auf dass die angefangene Arbeit vom Nachfolger im gleichen Sinn und Geist fortgeführt werde.

Ausnahmsweise etwas anders verhält es sich beim Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverband, der für seine erste Präsidentin Marianne Meister die Nachfolge zu bestimmen hat. Was zunächst als Formsache erschien, entpuppt sich zwischenzeitlich als wahrer Wettkampf. Denn mit dem Unternehmer André Seiler und dem Anwalt und Politiker Christian Werner hat der Verband die Qual der Wahl.

Das ist erstens für die verbandsinterne Demokratie gut – und zweitens für die programmatische Selbstvergewisserung. Nach dem vergangenen Abstimmungswochenende zumal. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass insbesondere aus dem Segment der Einzelfirmen Nein-Stimmen gekommen sein dürften – sie hätten von der Vorlage weniger als nichts gehabt. Zudem dürfte auch der gewerbliche Mittelstand nicht homogen abgestimmt haben – die Verquickung von Steuerpolitik mit Sozial- und Gesellschaftspolitik schmeckte offensichtlich nicht allen.

Umso besser, dass sich der Gewerbeverband nun à fond Rechenschaft darüber ablegen kann, was er will und mit wem – nicht nur, aber auch im Steuerdossier, das über den Tag hinaus heiss bleibt. Denn Gewerbe ist nicht gleich Gewerbe.

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