Boningen

Ein vergeblicher Hilferuf

Auf diesem Bauernhof in Boningen fanden Polizei und Veterinärdienst des Kantons Solothurn 15 tote Rinder.

Auf diesem Bauernhof in Boningen fanden Polizei und Veterinärdienst des Kantons Solothurn 15 tote Rinder.

Die Behörden wurden bereits mehrmals auf die Tierhaltung am Boninger Hof aufmerksam gemacht. Für fünfzehn Rinder kam jede Hilfe zu spät. Im Fall Boningen hätten die Behörden die Alarmzeichen definitiv ernster nehmen sollen. Ein Kommentar von Deborah Onnis.

Bei einem Bauer in Boningen wurden vor über einer Woche 15 tote Rinder gefunden. Bereits vor zwei Jahren fiel Nachbarn auf, dass seine Rinder vernachlässigt wurden. Sie hatten Fellausfall und Hufdeformationen.

Die Nachbarn alarmierten den Tierschutz und den kantonalen Veterinärdienst. Erst als der Bauer vom Amt aufgefordert wurde, erhielten die Rinder die nötige Behandlung. Dass der Tierhalter nicht schon vorher selber aktiv wurde – aus welchem Grund auch immer –, ist bereits ein schlechtes Zeichen. Dieses Alarmzeichen hätte der kantonale Veterinärdienst schon bei seinem ersten Einsatz vor zwei Jahren definitiv ernst nehmen müssen.

Die Behörden aber haben einfach ein Häkchen auf die Liste gesetzt, nachdem die Rinder ihre Behandlung erhalten hatten und einige Wochen später wieder genesen waren. Die nächste Kontrolle wurde zwar aufs darauffolgende Jahr angesetzt, anstatt erst in vier Jahren, vorerst aber war der Fall für die Behörden erledigt.

Auch als ein Jahr später die Tiere wieder Anzeichen von Vernachlässigungen zeigten, stuften sie dies als «nichts Schlimmes» ein. Das komme halt vor, meinte Kantonstierärztin Doris Bürgi Tschan. Den Behörden kann man rechtlich wohl nicht einmal etwas vorwerfen, weil das normale Prozedere offenbar keine genaue Ursachenforschung zulässt.

Der Fall in Boningen zeigt aber, wie dringend notwendig eine Ursachenabklärung ist. Genauso wie eine regelmässige und definitiv häufigere Kontrolle bei aufgefallenen Betrieben nötig ist. Nicht nur, um den Tieren, sondern auch, um den Bauern rechtzeitig zu helfen.

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