Persönlich

Ein Hoch auf fünf Bahnwagen

Das Logo der Network Rail aus England

Die SBB hat momentan zu kämpfen. Wartungsarbeiten der Gleise, technische Störungen am Zug und Verspätungen. Schauen wir doch mal wie es unseren Freunden in Good Old England mit dem öV geht.

Nun, da es gerade in Mode ist, die Bahn für jede Minute Verspätung und jeden Zugsausfall ins Pfefferland zu wünschen, ist es an der Zeit, an (noch) europäische öV-Verhältnisse zu erinnern. Als da wären Erfahrungen, die innerhalb von 24 Stunden in Good Old England gesammelt werden konnten.

Bekanntlich kam der Regierung Major vor gut 25 Jahren nichts Schlaueres in den Sinn, als British Rail zu zerschlagen. Seither gibt es zig Bahngesellschaften, die auf der zwischenzeitlich wieder verstaatlichten Network Rail verkehren (nachdem unter der börsenkotierten Railtrack fürchterliche Unglücke zu verzeichnen waren).

Item, die Bahn funktioniert dort, wo es sie noch gibt, leidlich. Mehr noch: Der Überlandverkehr ist pünktlich, sicher und komfortabel. Aber auch saumässig teuer. Eine Fahrt von London nach Leicester und retour kostet in der 2. Klasse stolze 89 Pfund. Das ginge noch, wenn bei der Hinfahrt erstens der Zug nicht ausfiele und dem Billettkäufer beim Erwerb der Fahrkarte zweitens mitgeteilt würde, dass die Rückfahrt am Folgetag dreieinhalb statt eineinhalb Stunden dauert, weil die Strecke aufgrund von Bauarbeiten unterbrochen ist.

Zugegeben, das sind Luxusprobleme. Bitter war es dennoch: Das Fussballspiel Leicester gegen Newcastle am Freitag war ebenso schon eine Viertelstunde alt, als ich das Stadion betrat, wie die Begegnung zwischen Brighton und Bournemouth tags darauf. Einerlei, der Unterhaltungswert war da. Nach dem Spiel wurde im Zug verkündet, dieser habe fünf Wagen. Spontaner Applaus bei den Auswärtsfans! Kein Zufall: Die «Seagulls» waren von den «Cherries» mit 5:0 abgefertigt worden. Thanks, public transport! Unforgettable.

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Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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