Weissenstein

Ein an die Wand gefahrenes Kurhaus genügt uns

Seit Februar gehört das Kurhaus Weissenstein vier neuen Besitzern.

Seit Februar gehört das Kurhaus Weissenstein vier neuen Besitzern.

Wochenkommentar zu den Verzögerungen beim Um- und Ausbauprojekt auf dem Weissenstein

Die Freude war gross, als im letzten Frühjahr die vier neuen Besitzer des Kurhauses Weissenstein ihre beeindruckenden Pläne vorstellten: Der Um- und Ausbau des Westflügels und des Hauptgebäudes, die Erweiterung mit einer gläsernen Trinkhalle auf der Ostseite und der Einrichtung eines grosszügigen Spielplatzes vor dem Haus. Beeindruckend auch der Elan, mit dem die Investoren das Projekt anpackten und beeindruckend schliesslich das Tempo, das sie zu dessen Umsetzung angeschlagen haben. Die vier auswärtigen Tourismus- und Gastroprofis boten und bieten Gewähr, dass auf dem Solothurner Hausberg wieder ein Hotel- und Restaurantbetrieb erblühen kann, der für Gäste von nah und fern ein lohnendes Ziel sein kann.

Auf dem Berg wird das «Biogen-Tempo» vermisst

Bereits machen denn auch Mutmassungen die Runde, dass das Kurhaus-Projekt von den Kantonsbehörden nicht eben beförderlich behandelt werde. Im Amt für Raumplanung weist man diese Darstellung zurück: Es wird versichert, dass alles seinen ordnungsgemässen Gang nehme – und das brauche halt seine Zeit. Da lobt sich der Beobachter den unglaublichen Effort aller beteiligten kantonalen Instanzen, als es um die Ansiedlung des US-Multis Biogen in Luterbach ging: Innerhalb weniger Monate waren in diesem aufsehenerregenden Fall sämtliche Hindernisse – nicht nur auf dem Baugelände – aus dem Weg geräumt worden. Dieses unbürokratische Vorgehen wurde prompt schweizweit wortreich als Musterbeispiel solothurnischer Wirtschaftsförderungspolitik besungen.

Und auf dem Weissenstein? Natürlich geht’s hier nicht um ein Milliardenprojekt wie in Luterbach, wo Hunderte von Arbeitsplätzen geschaffen werden sollen. Aber immerhin: Das Kurhaus ist schliesslich auch nicht ein x-beliebiger Betrieb, sondern das Aushängeschild einer der touristischen Top-Adressen im Kanton. Und auch hier geht es um Arbeitsplätze: Nicht nur im Hotel- und Restaurationsbetrieb selber, sondern ebenso bei der neuen Seilbahn.

Apropos Seilbahn: Interessant ist, dass deren Betreiber seinerzeit im Bewilligungsverfahren für die neue Bahn nicht aufzeigen mussten, wie sie im Falle eines unfreiwilligen Betriebsstillstandes der Bahn – zum Beispiel wegen starkem Wind – alle Berggäste wieder heil zu Tal bringen wollen. Genau diese Notfallplanung fordern die Behörden dem Vernehmen nach nun aber von den Kurhaus-Investoren.

Ohne Bewilligung fürs Ganze gibts nicht einmal halbe Sachen

Für die Kurhaus-Besitzer ist klar, dass nur der vorgesehene Grossumbau – samt dem Trinkhallenanbau mit Selbstbedienungsrestaurant – einen für Gäste und Gastgeber attraktiven sowie auch einen wirtschaftlich tragfähigen Betrieb ermöglichen kann. Ohne eine Baubewilligung für dieses Gesamtprojekt, das hat diese Woche Mitbesitzer Tom Umiker gegenüber dieser Zeitung klar festgehalten, würden auf dem Weissenstein in Zukunft kaum mehr nennenswerte Investitionen getätigt. Einen solchen Kurhaus-Betrieb, bei dem die Investitionen auf das Nötigste beschränkt sind, der auf Sparflamme geführt werden muss und der entsprechend eine ungewisse Zukunft hat, haben die Berggänger jetzt allerdings über Jahre hinweg erlebt. Ein solcher Betrieb wäre letztlich auch für die Besitzer nicht wirklich interessant: Sie dürften ihre Pläne und Kräfte deshalb eher früher als später in andere Richtungen lenken.

Was dann? Auf andere Investoren müsste man wohl lange warten. Zumal, als sich auch diese bald einmal mit den genau gleichen Hindernissen und Vorgaben konfrontiert sehen würden, die offenbar jetzt im Wege stehen. Das Resultat wäre ein zweiter «Fall Balmberg», nur wenige Kilometer vom Weissenstein entfernt. Dort ist bereits ein Kurhaus an die Wand gefahren worden und wird nun – nach dem Scheitern diverser Besitzer und Betreiber – mangels «besserer» Alternativen als Asylbewerber-Unterkunft verwendet.

Bitte keine Neuauflage des Seilbahn-Trauerspiels

Niemand kann wollen, dass es auch auf dem Solothurner Hausberg bald einmal soweit kommt. Bei der Auflage des Gestaltungsplanes sowie des Baugesuchs wird sich deshalb zeigen, wer den Initianten welche Steine in den Weg legen will. Auch am Beispiel des unsäglichen «Sässeli-Krieges» um die neue Seilbahn hat die Region bereits einmal schmerzlich erleben müssen, was übereifrige Bedenkenträger anrichten können. An einer Neuauflage dieses Trauerspiels, verbunden mit jahrelangen Verzögerungen, kann niemand ein Interesse haben: Weder die Behörden aller Stufen, noch die Schützer und Nützer aller Art – und schon gar nicht die breite Bevölkerung.

urs.mathys@azmedien.ch

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

Meistgesehen

Artboard 1