Ohne dass dies von Arbeitnehmerseite gefordert worden wäre, kommen die oberen Kader der Solothurner Kantonsverwaltung seit Mitte 2012 in den Genuss einer grosszügigen Boni-Lösung: Damals wurde der individuell mögliche Leistungsbonus ab Lohnklasse 24 von
5 auf 10 Prozent verdoppelt, verbunden mit jährlichen Mehrkosten von rund 600 000 Franken. Dies explizit als Gegenleistung zur gleichzeitig beschlossenen Lockerung des Kündigungsschutzes in sogenannt «begründeten Fällen».

Allerdings: Vom doppelten Bonus profitieren alle oberen Kader – eine erleichterte Kündigung dürfte dagegen (wenn überhaupt) nur die Wenigsten betreffen.

Wer immer die Boni und Löhne von Managern, Verwaltungsräten oder staatlichen Kaderleuten zur Diskussion stellt, setzt sich schnell dem Futterneid-Vorwurf aus. Wenn die mehr als grosszügige Ausgestaltung des Gesamtarbeitsvertrages für das Staatspersonal aus heutiger Sicht und im Licht des aktuellen gesamtwirtschaftlichen Umfelds hinterfragt wird, hat dies aber nichts mit der «Befeuerung der Neidkultur» zu tun. Es muss möglich sein, auch die Boni beim Staat auf den Prüfstand zu heben.

«Staatsjobs» sind punkto Sicherheit zwar auch nicht mehr, was sie einmal waren. Sie bieten aber im Vergleich zu jenen in der Privatwirtschaft durchaus noch einige Vorzüge. Dies dürfte auch die von der Regierung jetzt vorgeschlagene Auslegeordnung erneut klar belegen. Statt eines Schnellschusses, wie ihn SVP-Kantonsrat Christian Werner fordert, ist es darum tatsächlich sinnvoller, zuerst aussagekräftige Entscheidgrundlagen zu erarbeiten. Liegen diese dann aber vor, gibt es gegebenenfalls keine vernünftigen Gründe dagegen, die nötigen Korrekturen sofort einzuleiten.

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