Die Voraussetzungen dafür zu verbessern, dass sich Familie und Beruf unter einen Hut bringen lassen, ist eine zentrale gesellschaftspolitische Herausforderung. Die Forderung, dass die öffentliche Hand als Arbeitgeber hier eine Vorreiter- und Vorbildrolle übernehmen sollte, liegt nahe.

Im Kantonsrat standen dazu zwei Vorstösse zur Debatte. Dass sie mit dem Argument abgeschmettert wurden, der Kanton dürfe als Arbeitgeber nicht zu attraktiv werden, weil er sonst die privaten Kleinunternehmen auf dem Arbeitsmarkt benachteilige, mutet etwas seltsam an. Der Staat soll die Rahmenbedingungen so setzen, dass sich die Wirtschaft entfalten kann.

Aber es ist sicher nicht seine Aufgabe, die eigenen Angestellten schlecht zu behandeln, damit auch Gewerbler beim Personal sparen können. Im Gegenteil: Der Staat ist (wie die Privatwirtschaft auch) darauf angewiesen, sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren zu können, damit er die richtigen Leute bekommt.

Doch nun zu den Inhalten: Zwei Tage Vaterschaftsurlaub sind mickrig, 20 Tage wären im interkantonalen Vergleich tatsächlich etwas gar grosszügig. Und dass Staatsangestellte einen zwingenden Rechtsanspruch darauf haben sollen, bei der Geburt eines Kindes das Pensum zu reduzieren, führt ebenfalls zu weit.

Aber nicht wegen der Konkurrenz zu den Privaten, sondern weil es auch in einer Verwaltung – wie in der Privatwirtschaft – noch möglich sein muss, betriebliche Interessen durchzusetzen, die sich im Einzelfall vielleicht nicht mit einer Pensenreduktion vertragen.

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