Politik hat viel mit Symbolik, mit dem Setzen von Zeichen zu tun. Die Wahl von Stefan Nünlist zum neuen Präsidenten der Solothurner FDP nach der verlorenen Regierungsratswahl war so ein Zeichen: Seine Welt ist nicht der Dorfladen, sondern die Zentrale eines Milliardenkonzerns. Seine Heimat ist Olten, ein kleines Städtchen zwar, zu dessen herausragenden Eigenschaften aber gehört, dass man hier mindestens so nah an Zürich ist wie an Solothurn. Wir wollen moderner, urbaner werden, heisst das Signal. Es ist auch nötig, vor allem im urbanen Umfeld konnte der Freisinn in letzter Zeit nicht mehr punkten.

Und was macht der neue FDP-Präsident zum Ausklang des Wahljahrs? Er präsentiert kein Programm, keine Personalstrategie, er lädt zum Fondueplausch in den Buechibärg. Dragunerchörli und Solothurner Lied inklusive. Was für eine Symbolik: ’s isch immer e so gsi.

Nun gut, das gesellige Treffen im urchigen Umfeld mag auch ein Zeichen sein, integrierend wirken zu wollen. Aber wo bleibt das Signal zum viel beschworenen Aufbruch zu neuen Ufern? Dass die einst alles bestimmende Partei auch noch den zweiten Regierungssitz an die Grünen abgeben musste, nachdem sie nur noch einen Nationalrat stellt und auch den Ständeratssitz verlor, war kein Betriebsunfall. Das war ein politischer Totalschaden. Man müsse schonungslos über die Bücher, hiess es. Davon ist ein halbes Jahr später noch nicht (oder schon nicht mehr?) viel zu spüren, und die Zeit bis zu den nächsten Wahlen vergeht im Flug. ’s isch immer e so gsi? Wohl eher: Es wird nie mehr wie es war.

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