Persönlich

Die Danksagung

Zugbegleiter tragen Schutzmasken und bitten die Passagiere, es ihnen gleich zu tun. (Archiv)

Zugbegleiter tragen Schutzmasken und bitten die Passagiere, es ihnen gleich zu tun. (Archiv)

Neulich habe ich eine ganz neue Form der Danksagung erlebt. Der Zugchef teilte seinen Fahrgästen, die weniger sind als auch schon, mit, das Zugpersonal trage Schutzmasken, um sich bei den Kundinnen und Kunden zu bedanken.

Einen Moment lang dachte ich: Eine etwas eigenartige Form des Sich-Bedankens. Im weiteren Verlauf der Durchsage wurde allerdings rasch klar: Der Dank ans Publikum ist eine Aufforderung an dieses, es dem Personal gleichzutun. Und sich ebenfalls mit Mundschutz auszurüsten. Letztlich sollen sich demnach alle gegenseitige danke sagen können, indem sie sich und andere schützen.

Schade, dass die Durchsage im nächsten Zug nurmehr den Dank fürs Maskentragen an sich enthielt. Der moralische Imperativ der ersten Mitteilung entfiel leider. Vielleicht war er auch ein Fehler. Aber ein schöner. Und einer, den ich den SBB zugetraut hätte.

Apropos: Auf dem Perron ereiferte sich jüngst ein Rentner mit schlecht sitzender Maske darüber, dass sich eine Aufsichtsperson der SBB ohne solche bewegte. Als diese nicht reagierte, trat er näher zu ihr, nahm die Maske vom Gesicht und fragte aus nicht BAG-konformer Distanz: «Sind Sie schwerhörig?» Worauf sie antwortete: «Nein, nur selektiv zuhörend.»

balz.bruder@chmedia.ch

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Balz Bruder

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