Analyse

Die Berufslehre ist auch aktive Integration

Urs Mathys
Eine gute Ausbildung ist zentrale Voraussetzung für die berufliche Zukunft. (Symbolbild)

Eine gute Ausbildung ist zentrale Voraussetzung für die berufliche Zukunft. (Symbolbild)

Unser duales Berufsbildungssystem bietet eine hervorragende Ausgangslage für den Start ins (Berufs-) Leben. Nicht zuletzt auch für Kinder von Zuzügern aus dem Ausland.

Seitenweise berichten wir in diesen Tagen über die jungen Menschen, die ihre Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen haben und nun vor dem Eintritt ins Erwerbsleben stehen. Stolz, Freude und Erleichterung über den geglückten Lehrabschluss sind gross – bei Eltern, Freunden, Ausbildnern und erst recht bei den jungen Berufsleuten selber. Und alle wissen ganz genau, dass es mit diesem ersten Ausbildungsabschluss nicht gemacht ist, sondern für eine erfolgreiche berufliche Zukunft stets wieder neue Herausforderungen gemeistert werden müssen.

Die Kadenz, mit der sich immer neue technologische und organisatorische Entwicklungsschritte jagen, ist praktisch in allen Branchen und Berufen immer höher. Die Aufforderung zum lebenslangen Lernen – von Generation zu Generation bis zum Überdruss wiederholt – hat entsprechend nichts von ihrer Gültigkeit verloren, im Gegenteil. Gleichzeitig werden Berufswelt und Erwerbsleben nicht wirklich humaner: Leistungsdruck, Beanspruchung sowie die Erwartung permanenter zeitlicher Verfügbarkeit und örtlicher Flexibilität stellen die anzustrebende Work-Life-Balance mitunter auf eine harte Probe.

Hier sind nicht die Lernenden gefordert, sondern die Lehrfirmen und deren Ausbildner: Sie sollen nicht nur in beruflicher, sondern auch in zwischenmenschlicher Hinsicht Vorbilder sein.

Sprungbrett für jene, die ihre Chance packen wollen

Eine Arbeit – und damit auch ein Ein- und Auskommen – zu haben, ist nie selbstverständlich. Eine gute Schul- und Berufsbildung ist dafür eine zentrale Voraussetzung. Unser duales Berufsbildungssystem, das einerseits auf praktischer Schulung im Betrieb und anderseits theoretischer Ausbildung in der Berufsschule abstellt, bietet eine hervorragende Ausgangslage für den Start ins (Berufs-) Leben. Nicht zuletzt auch für Kinder von Zuzügern aus dem Ausland. Nicht alle von ihnen wollen und können nach der obligatorischen Schulzeit den Sprung zu einem Studium machen. Darum stellen die Berufslehren mehr als nur eine geeignete erste Ausbildungsmöglichkeit dar. Das Anbieten einer sinnstiftenden Ausbildung und das Öffnen beruflicher Möglichkeiten tragen mit dazu bei, dass junge Leute bei uns nicht auf den Strassen herumhängen und auf die schiefe Bahn geraten.

Dies ist ein überzeugender Gegenentwurf zu den Situationen in manchen unserer Nachbarländer. Zu Banlieues und heruntergekommenen Regionen, wo Jugendarbeitslosigkeit und entsprechende Perspektivlosigkeit gerade unter Nachkommen von Zuwandererfamilien ein gewaltiges Problem mit entsprechender sozialer und gesellschaftlicher Sprengkraft darstellen. Bei uns ist die Berufslehre zwar auch nicht der automatische Türöffner zur Traumkarriere – aber immerhin ein Sprungbrett für all jene, die ihre Chance packen wollen.

Name für Name ein Beweis gelungener Integration

Ein Blick auf die genannten Lehrabschlussseiten in unserer Zeitung spricht Bände: Die jugendlichen Absolventinnen und Absolventen haben nicht nur «typisch» schweizerische Vornamen, sondern heissen zum Beispiel etwa Erkan, Bojan, Varatharajan, Ismael, Athavan, Braveen, Bujar, Athiraiyan, Özgen, Durije … und so weiter.

Name für Name ein gutes Beispiel für eine gelungene Integration. Aber auch ein Beleg dafür, dass ohne die Nachkommen von Zuwanderern nicht nur viele Lehrstellen unbesetzt geblieben wären, sondern in unzähligen Betrieben und Branchen in Zukunft der Fachkräftenachwuchs fehlen würde.

Die schweizerische Berufsbildung – unter dem Strich ein Erfolgsmodell, das nur Gewinner kennt: die Jugendlichen, die Lehrfirmen, die Wirtschaft und die Gesellschaft.

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Urs Mathys

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