Als Kind war es so: Die fünf Wochen Sommerferien lagen wie eine Ewigkeit vor einem. Und manchmal war es tatsächlich auch eine. Denn nicht jeder Tag war die reine Freude. Und dann regnete es früher auch mehr als heute. Die Badi verlor allmählich ihren Reiz. Die Bibliotheks-Bücher waren rasch «verlesen». Und, ja, zuweilen war das Ende der Ewigkeit auch ein Stück Befreiung.

Hier ist nicht von fünf, sondern von sechs Wochen die Rede. Und von einer wahren Ewigkeit. Sie beschreibt den Zeitraum, da die SBB-Strecke zwischen Luzern und Sursee einer Generalüberholung unterzogen wurde. Mit der Folge, dass der Schnellzug kurzerhand gestrichen wurde. Mehr als einen Monat lang war der Arbeitsweg Tag für Tag eine Stunde länger als gewohnt.

Gut, man gewöhnt sich an alles. Doch an einiges weniger rasch. So verhielt es sich jedenfalls mit dem Warten in Olten. Keine reine Freude, auch dies nicht. Und das bei allem Respekt vor der bautechnischen Meisterleistung, die mit dem ein Kilometer langen Maschinenzug vollbracht wurde. Hut ab, gescholtene Bundesbahnen!

Nun ist er zurück, der Zug meines Vertrauens. Ich hätte ihn herzen können gestern Morgen. Die Erleichterung jedenfalls ist so gross, dass ich von der Bahn keinen Realersatz für erlittene Qualen verlangen werde. So, wie ich es mir exakt 60 Mal vorgenommen hatte.

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