Seit René Erlachner den FC Wangen im Herbst 2004 nach über sieben Saisons verlassen hat, fehlt beim Erstligisten die Konstanz auf dem Trainerstuhl. Dieser gleicht seither mit 17 Wechseln eher einem Schleudersitz. Mit welchem Trainer der FCW Mitte Januar die Rückrundenvorbereitung aufnehmen wird, ist noch immer ungewiss.

Einige Trainerwechsel waren nur schwer nachvollziehbar. So etwa die Trennung von Goran Pekas am Ende der Saison 2014/15, als Wangen trotz des 5. Schlussrangs nicht am Coach festhielt. Obwohl Pekas den Klub schon bei seinen vorherigen Engagements als Feuerwehrmann mehrmals in der 1. Liga gehalten hatte.

Für Edvaldo Della Casa war das Abenteuer FC Wangen nach nur einem Jahr zu Ende. Der 5. Platz in der Meisterschaft 2012/13 war offenbar kein Argument für eine Vertragsverlängerung. Das jüngste Beispiel ist Dariusz Skrzypczak: Der Pole übernahm das Wangner Fanionteam auf die Rückrunde der vergangenen Saison und bewahrte den Verein vor dem Abstieg. Dennoch trennten sich die Wege.

Gastfreundlich war die Chrüzmatt in den letzten Jahren zu den Trainern zweifellos nicht. Oft hatte der FC Wangen indes gar keine andere Option, als den Posten des Trainers neu zu besetzen, da die Punkteausbeute schlicht zu gering war und der Verein dadurch in der Tabelle jeweils in eine brenzlige Situation manövriert wurde.

Dies war vor einem Monat bei Salvatore Romano der Fall, in der letzten Spielzeit bei Willy Neuenschwander und davor schon bei Marc Hodel 2013/14 sowie Max Rüetschli 2009/10. Sie wurden alle bereits in der Vorrunde in die Wüste geschickt, weil die Mannschaft nicht auf Touren kam und schon früh den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren drohte. Ein ganzes Team kann man nicht auswechseln, wenn es nicht läuft. Dann muss halt der Trainer dran glauben, galt in diesen Fällen jeweils.

Dies führt zum nächsten Problem, das den Wangnern in den letzten Jahren arg zusetzte: Die fehlende Kontinuität lässt sich nämlich auch in der Zusammenstellung des Kaders erkennen. Es wurden so viele Transfers getätigt, dass sogar manch eingefleischter Wangen-Fan die Übersicht verlor.

Oftmals wurde im Sommer ziemlich planlos praktisch die halbe Mannschaft ausgetauscht, nur um dann im Winter noch einmal mit Zuzügen nachzulegen. Viele Transfers der letzten Jahre waren Schnellschüsse, welche die Erwartungen nicht erfüllen konnten. Spielerwechsel sind meistens auch direkt vom Trainer abhängig. Jeder Trainer hat seine Wunschkandidaten, die er gerne in seinem Team weiss. Kaum ist der Trainer weg, ziehen auch die Spieler von dannen.

Kommt erschwerend dazu, dass der FCW sämtliche Spieler auswärts rekrutieren muss. Im Vergleich zu Ligakonkurrenten wie Baden, Delémont, Zug oder auch Solothurn muss Wangen mit einer fast schon lächerlich kleinen Juniorenabteilung operieren. Dies ist die logische Krux für einen Fussballklub aus einem 5000-Seelen-Dorf mit einer Stadt als Nachbar.

Eigene Junioren, die in den nächsten Jahren in die erste Mannschaft integriert werden können, sind nicht auszumachen. Es fehlt die gesunde Basis. Auch dass die zweite Mannschaft nur noch in der 4. Liga spielt, ist ein Problem. Der Niveau-Unterschied ist zu hoch, als dass sich Talente an die 1. Liga herantasten könnten. Die Spieler der ersten Mannschaft können zudem nach Verletzungen nicht richtig aufgebaut werden. Denn in der zweittiefsten Liga Spielpraxis zu holen, bringt gestandenen Erstligisten überhaupt nichts.

Die fehlende Beständigkeit beim Trainer und den Spielern in der Vergangenheit wirkte sich nicht nur negativ auf die Resultate aus, auch das Image des Klubs litt darunter. Nur unmerklich mehr als 100 Zuschauer besuchen die FCW-Heimspiele im Schnitt. Trotz des attraktiven Niveaus in der vierthöchsten Liga der Schweiz. Doch auf der Chrüzmatt fehlen Integrationsfiguren, welche Publikum anlocken.

Bezeichnend ist, dass der FCW in den letzten Jahren mit Nils Wernli und Sandro Husi zwei eigene Junioren verlor, die sich eine Spielklasse tiefer beim FC Dulliken offenbar wohler fühlen als bei ihrem Stammklub. Für die Talente aus der näheren Umgebung ist Wangen nicht mehr attraktiv. Denn die vielen Wechsel lassen für Aussenstehende eigentlich nur einen Schluss zu: dass auf der Chrüzmatt der Wurm drinsteckt und dass beim FC Wangen ein langfristiges Konzept fehlt.

Das grösste Problem der Wangner liegt ergobei der Vereinsführung. Auch hier fehlt die Basis. Seit Jahren opfert eine kleine Gruppe sehr viel Zeit für das Überleben des FCW. Es sind immer die gleichen Personen, und deren Einsatz verdient ein grosses Lob.

Doch für einen Erstligisten sind die Strukturen nicht genügend professionell. Nur schon, dass sich seit über einem Jahr niemand mehr um die Homepage des Klubs kümmert, ist ein schlechtes Zeichen. Es fehlen an allen Ecken und Kanten Leute, die Verantwortung übernehmen. So waren es denn am Ende halt immer die Trainer, die in der Öffentlichkeit für die verpassten Ziele geradestehen mussten.

Der FC Wangen darf für die Rückrunde nicht das nächste Bauernopfer präsentieren, sondern muss einen Trainer engagieren, der seine Ideen langfristig verfolgen darf. Einer, der sich mit dem FC Wangen identifiziert und weiss, wie der Verein tickt. Bejtush Rrustolli wäre der richtige Mann.

Als Goalgetter hat er jahrelang Dreck gefressen für den FCW. Er ist eine Identifikationsfigur auf der Chrüzmatt, hat seine Kompetenz in der Vorrunde als Assistenz- und später Interimstrainer auch bewiesen. Und er ist bescheiden. Rrustolli könnte Wangen wieder das sympathische Image des unbeugsamen Dorfklubs, der sich gegen die mächtigen Erstligisten auflehnt, verleihen. Das einzige Problem: Bejtush Rrustolli fehlt (noch) das nötige Diplom.

@raphael.wermelinger@azmedien.ch