Höchst erfreulich: Das umstrittene Energiegesetz setzt schier unglaubliche Energien frei. Namhafte Exponenten hauen sich die Argumente um die Ohren, schöner geht es nicht.

Sicher, auch hier tun sich zwischen den Parteien und ihren gegensätzlichen Positionen Gräben auf. Doch längst nicht nur schnurgerade. In Umweltfragen sensibilisierte Bauern zum Beispiel, sonst keine Linksmäher, wollen für die Umwelt ein Zeichen setzen. Oder ein kaum dem Regulierungswahn verfallener Unternehmer lehnt sich mit auffälligen Werbebotschaften für die Vorlage aus dem Fenster. Dem vorausgegangen ist eine stramm freisinnige Regierungsrätin, die sich dezidiert für das revidierte Gesetz ins Zeug gelegt hat.

Jetzt muss Esther Gassler erleben, wie die eigene Partei ihr Werk förmlich in der Luft zerreisst. Freude dürfte sie daran nicht haben. Der FDP kann es egal sein. Die Frau ist in Pension, und geradestehen muss eine Grüne.

Doch entscheidender ist ein anderer Aspekt: Der grandiose Schlagabtausch um das Energiegesetz scheint die Kampfeslust des Solothurner Freisinns geweckt zu haben. Endlich, ist man versucht zu sagen. Die Partei hat schliesslich genug gelitten im Kanton. Und im bürgerlichen Lager ist der Zeitpunkt fürs Aufbegehren günstig: Das knallige Orange der CVP verblasst auf nationaler Ebene zusehends, und das Sünneli der SVP strahlte auch schon heller. Das wird unweigerlich Auswirkungen auf die Kantonsebene haben.

«Mehr Freiheit, weniger Staat» war gestern – Kampf dem «Bürokratiemonster» heisst es heute. Ein heisses Energiegesetz weckt offenbar cooles Gebaren. Da soll noch einer sagen, die Solothurner Politlandschaft leide unter einer Dauersedierung.

theodor.eckert@azmedien.ch