Der Abgang von Stadtplaner Daniel Laubscher schon auf den 1. Juli wühlt auf. «Schockiert» darüber zeigt sich Doris Häfliger, Energiestadt-Beauftrage von Zuchwil, habe sie doch immer bestens mit Laubscher zusammengearbeitet. «Überrascht» geben sich zumindest fast alle darauf angesprochenen Parteien. Überhaupt nicht dagegen etliche Insider der «Causa Laubscher».

Sagen dazu will niemand offiziell etwas. Aber einige Fragen gehören auf den Tisch. Denn zuletzt könnte die baldige Entlassung – die Länge des Noch-Arbeitsverhältnisses bleibt geheim – neben dem juristischen auch ein politisches Nachbeben auslösen. Es geht um möglicherweise viel Geld. Für Noch-Lohn, für Honorare von Externen, die Laubschers Arbeit machen, dann aber auch um Anwaltsentschädigungen. Und um Termine wie die Wiederbesetzung der Stelle oder die Bearbeitung von hängigen Projekten wie dem Masterplan zur Ortsplanungsrevision. Damit verknüpft ist letztlich die Frage nach der künftigen Funktionsweise, ja Funktionstüchtigkeit des Stadtbauamtes.

«Das ist kein Fall Laubscher, sondern ein Fall Lenggenhager», wird in Planer- und Architektenkreisen, aber auch bei Investoren das Kind beim Namen genannt. Die Rollenverteilung: Die Leiterin des Stadtbauamtes gilt für diese Beobachter als «Kontrollfreak». Sie verberge «mit einem Lächeln» ihre Unsicherheit, ist zu hören. Daniel Laubscher dagegen habe den Ruf gehabt, «ein guter, geerdeter Planer» zu sein. Wir haben ihn jedenfalls öfters auch so wahrgenommen – bei seinen öffentlichen Auftritten beispielsweise in Mitwirkungsverfahren. Ein Beobachter der Szene hat festgestellt: «Aufgefallen ist, dass sich Laubscher während des letzten Jahres sukzessive vom Einsitz in bestimmten Gremien verabschieden musste und durch Andrea Lenggenhager ersetzt wurde.» Weiter habe er früher gemachte Aussagen zu Sachthemen revidieren oder zurücknehmen müssen – auf Druck von

Lenggenhager?

Das sei sogar so weit gegangen, dass eine abgeschlossene Planung Laubschers von der Leiterin Stadtbauamt abgelehnt und neu aufgegleist worden war, ist von anderer Seite zu hören. Darauf habe Laubscher per eingeholtem Gutachten seinen – nach seiner Ansicht richtigen – Standpunkt bestätigen lassen. Dies würde den Ausdruck in der städtischen Mitteilung, dass «unüberbrückbare fachliche Differenzen» zur Trennung geführt hätten, punktgenau treffen.

Jedenfalls dürften solche Konflikte auch zu jener Kritik aus besagten Architekten- und Planerkreisen führen, die in den letzten Monaten wiederholt aufgeflackert war: Auf einen Entscheid aus dem Stadtbauamt müsse man lange warten – oft allzu lange. Und ein Investor erklärt, aufgrund der Planungsunsicherheit in Solothurn gar zwei Projekte gestoppt zu haben.

Als die Dämme brachen

Acht Jahre hat Daniel Laubscher seinen Job für die Stadt gemacht. Kritik an seiner Arbeit war eigentlich kaum jemals zu hören. Damit stellt sich die Frage nach seiner Qualifikation. Diese muss intern über Jahre zumindest so gut gewesen sein, dass der Stadtplaner nie hinterfragt worden ist. Erst im letzten Sommer deutete sich die klare Reduktion seiner Wertschätzung an der Baselstrasse an. Laubscher hatte keine Auskunftsbefugnisse mehr und ihm wurde damals das Bauinspektorat als Aufgabe entzogen.

Offenbar brachen die Dämme mit der Frühpensionierung des langjährigen städtischen Personalchefs Gaston Barth. Das war Ende Januar. Barth wollte sich – dazu befragt – gestern nicht äussern. Aber wenige Wochen nach Barths Abgang war Laubscher gekündigt worden. Zumindest hatte uns dies Stadtpräsident Kurt Fluri schon vor zwei Monaten indirekt auf Anfrage bestätigt: «Ja, wir haben ihm nahegelegt, eine neue Stelle zu suchen.» Weiteren Fragen zum Thema verschloss sich das Stadtoberhaupt. Doch dazu später.

Damit wären wir beim Boss. Oder weniger salopp dem CEO der Firma Stadt Solothurn, Kurt Fluri. Er ist letztlich auch höchster Personalchef. Und müsste als solcher alles tun, um einen «Fall Laubscher» zu verhindern. Er weiss als Jurist bestens, was das Ganze kosten kann – nicht nur an Geld. Hat er alles unternommen, um den Bruch zu vermeiden? Oder ist er zuletzt den nachvollziehbaren Weg gegangen? Die hierarchisch höher gestellte Person bleibt, der angeprangerte «Unterhund» geht, wenn er nicht kuscht. Oder nicht mehr geduldet wird? Weil er vielleicht Schwächen aufgedeckt hat, von Einzelpersonen oder gar des Systems? Zuletzt wirkte Andrea Lenggenhager gelinde gesagt etwas glücklos: Bauverzögerungen beim Kunstmuseum und bei der Doppelturnhalle Hermesbühl wegen vorgängiger Nicht-Erkenntnisse zum Baugrund, ein nach fünf Jahren wieder monatelang gesperrter Kreuzackerplatz wegen aufgetretener Risse – das sind nicht Qualifikationen, die das Stadtbauamt braucht.

Auch bei ihrem «Gesellenstück», dem 20-Millionen-Umbau des Stadttheaters, gibts einen «Tolggen im Reinheft»: Kurz vor Baubeginn wurden damals unter etwas Karton barocke Malereien entdeckt, die eine gravierende Änderung des Bauprojekts erforderten. Dank genügend Reserven und Einsparungen blieb der Umbau termingerecht im Kostenrahmen. Und damit sicherte sich Lenggenhager vor allem in den politischen Gremien der Stadt einen treuen Fan-Club, der an der forsch auftretenden Bauamtsleiterin Gefallen gefunden hatte.

Da zählt auch nicht, dass wiederum in Investoren-, Planer- und Architektenkreisen kolportiert wird, Lenggenhager sei «risikoscheu» – und baue entsprechend teuer. Bei der Politik und auch beim Stimmvolk hat sie bis jetzt jedes Projekt locker durchgebracht. Warum also sollte Kurt Fluri seine first Lady im Stadtbauamt desavouieren und den ihr nicht (mehr) genehmen Stadtplaner stützen?

Es hätte noch einen Grund dafür geben können. Einen in jeder Beziehung delikaten: Laubschers Frau ist Kurt Fluris Sekretärin. Seit 1993, als Fluri an der Baselstrasse 7 einzog. Sie gilt als rechte Hand ihres Chefs, die «administrative Aorta» für Kurt Fluris Leben in Solothurn, Bern und wo er von Amtes wegen einsitzt. Eine loyale Mitarbeiterin in all den Jahren. Und sie dürfte es bleiben – auch wenn ihr Chef letztlich ihren Mann auf die Strasse stellt. Kann sie es wirklich bleiben?

Transparenz oder Verwedeln?

Da tun sich menschliche Abgründe auf. Wir verstehen, dass Kurt Fluri derzeit einsilbig auf die hochgehenden Wogen in seinen Büros reagiert. Dabei erwartet Solothurn fast stündlich eine Ansage von ihm. Macht er noch vier Jahre weiter oder wirft er hin? Sein Arbeitsleben wird jedenfalls durch die jetzigen Verwerfungen nicht einfacher. Und Einsilbigkeit hilft ihm dabei nicht weiter. Das steuernzahlende Volk will Transparenz zu Kosten und Nebenwirkungen des «Falls Laubscher». Wollen dies auch die Vertreterinnen und Vertreter des Volkes im Gemeinderat? Oder passiert einmal mehr, was Solothurn so meisterhaft beherrscht: die Kunst des Verwedelns.