Wenn man sich mit der Frage Flugsicherung auf dem Regionalflughafen Grenchen beschäftigt, wirds unweigerlich kompliziert. Viele Player reden da mit, internationale Abkommen und nationale Gesetzgebung werden tangiert und nicht zuletzt bestimmen wirtschaftliche Interessen die Stellungnahmen der Akteure.

Zum einen geht es also darum, dass die Schweizer Regionalflughäfen Millionen einsparen müssen. Dies, weil die Skyguide in ihrem Budget 7 Millionen Kostensteigerung vorsieht, verglichen mit der letzten, vom Bazl abgesegneten Rechnung. Wo genau die Kostensteigerung aber anfällt, bleibt unklar.

Zum anderen hat die Schweiz eine Regelung der EU übernommen, die eine Quersubventionierung zwischen internationalen Airports und Regionalflughäfen untersagt. Nur sieht die EU Ausnahmen vor, welche die Schweiz unverständlicherweise nicht übernommen hat.

So können sich Regionalflughäfen, die weniger als 50 000 kommerzielle Flugbewegungen pro Jahr ausweisen, im EU-Raum immer noch aus dem Topf der Grossen bedienen, weil sie deren «aviatischen Überlauf», also den Flugverkehr, übernehmen, für den die internationalen Airports keine Kapazität haben.

Grenchen beispielsweise hat nicht mal 1000 kommerzielle Flugbewegungen jährlich, darf das aber nicht. So jedenfalls behauptet das ein Insider.
Könnte man genau diese in der EU geltenden Bestimmungen nicht einfach nachträglich vollständig übernehmen?

Fest steht, dass Grenchen einen besetzten Tower behalten muss. Denn ohne Frage wird sich die Lufthansa als Muttergesellschaft der Swiss schwerlich dafür entscheiden, all ihre Piloten auf einem Flughafen auszubilden, der nur auf Fluginformation statt Flugsicherung setzt.

Man muss davon ausgehen, dass früher oder später die Swiss aviation training (SAT) Grenchen verlassen würde. Und das hätte weitreichende Konsequenzen für all die Firmen, welche sich mit Flugzeugwartung etc. beschäftigen.

Es braucht nun ein klares Commitment der Politik, insbesondere des Regierungsrates, der bei der Pistendiskussion immer wieder betont hat, wie wichtig ihm der Flughafen Grenchen sei. Die Gefahr, auch das zu verschlafen und dann vor einem Scherbenhaufen zu stehen, ist einfach zu gross.

oliver.menge@azmedien.ch