Kommentar

Chance für alle Kinder

Die Kinderbetreuung war im Gemeinderat Grenchen ein Thema. (Symbolbild: LZ)

Die Kinderbetreuung war im Gemeinderat Grenchen ein Thema. (Symbolbild: LZ)

Die Kraftfelder im Grenchner Gemeinderat verschieben sich. Wie die Wanderung des magnetischen Nordpols ist die Veränderung langsam, aber doch wahrnehmbar. Im Gegensatz zur Geophysik braucht es dazu in der Politik keine Messgeräte, sondern nur genaue Beobachtung.

Hinsichtlich der Politik im Grenchner Gemeinderat haben die letzten Monate gezeigt, dass die Gegner der familienergänzenden Kinderbetreuung immer häufiger aufgelaufen sind. Heissen die Themen Mittagstisch, Vorkindergarten, Kinderkrippen oder Schulsozialarbeit: es hat sich eine solide Allianz von SP und FDP gebildet, welche bereit ist, für die Grenchner Schulen, bzw. Kinder die nötigen Ressourcen zu bewilligen.
Damit wurden all jene Lügen gestraft, die immer wieder befürchtet haben, die FDP werde von der SVP vereinnahmt. Das Gegenteil ist passiert: Seit den «Kompass»-Workshops hat sich eine neue Entente für eine Vorwärtsstrategie gebildet, insbesondere was die Schule betrifft.

Angesichts der Grenchner Demografie ist das nichts weniger als das Gebot der Stunde. Die Schule ist der mit Abstand grösste öffentliche Betrieb der Stadt, die grösste Schule im Kanton überdies. Sie braucht die ungeteilte Aufmerksamkeit der Gesellschaft und der Politik.

Im Gemeinderat fiel der Begriff «Totalausfall des Elternhauses». Ein Phänomen, mit dem gerade Grenchen zunehmend konfrontiert ist. Um längerfristig gesellschaftliche Schäden einzudämmen, muss ein Netz aufgezogen werden, um Kindern aus dysfunktionalen Familien überhaupt eine Chance für die Zukunft zu lassen. Dass es in Grenchen mit so hohem Ausländeranteil fast nur Kinder aus einem «Schweizer» Haushalt in die Kanti schaffen, muss einen Grund haben.

Ob er gerade bei der mangelnden Schulsozialarbeit zu suchen ist, ist eine andere Frage. Fakt ist auch, dass der Lehrerberuf im Grenchner Gemeinderat nur durch eine Person vertreten ist, die jetzt auch noch aus der Fraktion ausgetreten ist und zur Einzelkämpferin wird. Das hilft der Schule leider auch nicht gerade.

andreas.toggweiler@chmedia.ch

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