Bollmann wollte diese Woche unbedingt auf ein schnelles Bier. Der Mann, immer mit Leichtigkeit in Fahrt zu bringen, war aufgebracht: Das kecke Projekt des künftigen Kurhauses auf dem Weissenstein lasse ihn nicht los. Tönte interessant, also mal hören, was hinter seiner Aufregung steckt. Die Stossrichtung war absehbar. Bollmann setzte sich für den Erhalt der Sesselbahn ein, Bollmann befürwortet am Hausberg ein durchgehendes Fahrverbot für den Privatverkehr, Bollmann schätzt es generell nicht, wenn auf den Jurahöhen zu viele Leute seinen Weg kreuzen. Besonders dann nicht, wenn sie auf einem Drahtesel unterwegs sind, wie er selbst Bikes aus Carbon abschätzig bezeichnet.

Nun, Bollmann will oder kann der geplanten Kurhaus-Aufwertung tatsächlich nicht viel abgewinnen. Die Trinkhalle sei völlig überdimensioniert, die damit einhergehenden Verkehrsprobleme würden gewaltig unterschätzt und überhaupt, der Glaskasten wirke auf ihn im Gesamtkontext wie ein klobiger Handyantennen-Mast auf der St. Ursen-Kathedrale.

Bollmann hatte sich längst in Rage geredet und nahm erst etwas Schub weg als er auf seine letztjährigen Sommer-Ferientage im Tirol angesprochen wurde. Seine Schilderungen damals hörten sich in etwa so an: «Fiss-Ladis-Serfaus, die kommen wirklich draus. Hier Bahnen rauf, dort Rodelbahn runter. Oben Restaurants mit Kulinarischem aus aller Welt. Danach hüpfen, springen, fliegen in allen Positionen und als Zugabe Autoreifenrutschen auf künstlichem Schnee bei schweisstreibenden Temperaturen.» Aber, aber, lieber Bollmann, das sind doch zwei völlig gegensätzliche Welten, die Sie da hochjubeln. Was gilt jetzt? Bollmann windet sich mit der Begründung heraus, das Tiroler-Angebot entspreche einem breiten Bedürfnis, nicht zuletzt von Schweizer Familien. Und da die Disneywelten auf den österreichischen Hügeln schon mal da seien, könne man sie nutzen, der Schaden sei ja angerichtet. Aber für ihn gelte auf dem Weissenstein oben das Motto «wehret den Anfängen, respektive schützt das Schutzgebiet».

Wenn etwas erst einmal verschandelt ist, spielt alles Weitere keine Rolle mehr, doch unberührte Gebiete bleiben für ewig tabu – diese Gleichung, lieber Bollmann, geht doch nicht auf.

Das Leben auf diesem Planet ist ein dynamischer Prozess, dem sowohl der Mensch als auch sein Lebensraum unterworfen sind. Nebst dem Sorgetragen zur Natur gehört das Korrigieren von negativen Entwicklungen ebenso dazu, wie das sorgsame Herantasten an Neuerungen, die sich aus veränderten Lebensgewohnheiten aufdrängen. Zum Beispiel auf den Solothurner Jurahöhen.

Das Erholungsgebiet der Mittelländer steht für sympathisch-sanften Tourismus abseits der grossen Karawanen. Was nicht bedeutet, dass Infrastrukturen zurückliegender Generationen nicht angetastet werden dürften. Wie unattraktiv ein halbtoter Solothurner Hausberg ist, wissen wir zur Genüge.

Die mühsam erstrittene neue Gondelbahn ist kein Sündenfall. Sie hat sich vielmehr als Impulsgeber erwiesen. Nun wollen Investoren mit Branchenverstand das Kurhaus neu definieren, damit es über den Tag hinaus wirtschaftlich betrieben werden kann. Das ist richtig und wichtig. Sie haben ein nachvollziehbares Geschäftsmodell entwickelt, nehmen Geld in die Hand und sie gehen ein Risiko ein. So funktionieren Unternehmer. Sind sie erfolgreich, profitiert auch die Allgemeinheit. Bedenkenträger wie Bollmann haben da wesentlich weniger zu bieten.