Je nachdem, wo eine Familie im Kanton Solothurn wohnt, erhält sie von der Gemeinde Beiträge an die Zahnbehandlungen ihrer Kinder. Oder eben nicht. Das ist, was landläufig unter der viel gepriesenen Schweizer Gemeindeautonomie verstanden wird. Jedes Gemeinwesen soll möglichst selbst entscheiden, wie es seine Vorschriften ausgestaltet, was es für nötig hält und was nicht. Dass die Regeln damit alle hundert Meter an einer Gemeindegrenze ändern und teils massive Ungleichheiten entstehen lassen, ist durchaus gewollt.

Tatsache ist aber: Einige Gemeinden im Kanton haben ihren Freiraum mehr als nur ausgereizt. Sie haben gar gegen das Gesetz verstossen und in den letzten Jahren gar keine Beiträge an Zahnbehandlungen von Kindern ausbezahlt, nicht einmal an die finanziell schwächsten Familien. Das ist jetzt bekannt geworden. Jahrelang war es unbemerkt geblieben. Was dies für die Zähne der Kinder heisst, darüber kann man nur mutmassen.

Bald tritt das revidierte Gemeindegesetz in Kraft. Künftig werden die Gemeinden ihre Reglemente über die Schulzahnpflege dem Kanton vorlegen müssen. Das bedeutet: Mehr Aufwand bei Kanton und Gemeinden, mehr Zentralismus, mehr Kontrolle und vor allem weniger Selbstbestimmung in der Gemeinde. Und es heisst: Für einige Sünder büssen quasi alle Gemeinden. Das ist nicht schön. Aber nur richtig, wenn die Gemeinden und ihre Verbände sich nicht selbst von Beginn weg um die korrekten Lösungen bemühen. Schon gar nicht, wenn es wie hier zu Lasten der finanzschwachen Familien geht.

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