Die Gegensätze an der Fussball-EM sind gewaltig, nicht nur sportlich. Die Iren, die Italiener, die Albaner, die Ukrainer, die Rumänen, die Waliser, die . . .  Sie alle singen mit Inbrunst, ja mit Pathos und der Hand auf dem Herzen die jeweilige Landeshymne. Der Stolz, Italiener oder Albaner oder Ire zu sein, steht ihnen im Gesicht geschrieben. Die jeweilige Unterstützung im Publikum ist ihnen gewiss. Und dann die elf Schweizer, die im Vergleich beim Singen eine denkbar schlechte Figur abgeben. Kaum einer bringt die Lippen auseinander und wenn, dann erinnern die Mundbewegungen eher an ein verschämtes Murmeln als an Singen.

Dabei müssen die Spieler gar nicht Opernsänger sein, das ist Nebensache. Hauptsache ist die Mimik, der Ausdruck, die Ansage, für die Nationalmannschaft im Spiel auf dem Platz alles zu geben. Bestes Anschauungsbeispiel ist Gianluigi Buffon, der 38-jährige Haudegen im Tor der italienischen Fussballmannschaft. Auch wenn er beim lauten Mitsingen der Hymne nicht jeden Ton trifft, sein Signal ist klar: Wir werden unser Bestes geben.

Noch haben die Schweizer Nationalspieler Zeit, von den Fussballkollegen anderer Länder etwas zu lernen. Der Text ist ja nicht allzulang und die Melodie wird täglich geliefert, auch an spielfreien Tagen. Es genügt, Radio SRF 1 einzuschalten. Dort erklingt jeden Abend pünktlich um Mitternacht die Landeshymne – übrigens, eine schöne Tradition. Also los ihr Fussballer, damit ihr spätestens im Finalspiel am 10. Juli in Paris das Stadion erbeben lässt.