Jeder dritte Kinderbetreuer ist Praktikant. Ohne Praktikumszeugnis gibt es keine Lehrstelle, das ist kein Geheimnis. Junge Leute treten ihre erste Stelle an, werden zur billigen Arbeitskraft, motiviert durch die Aussicht auf den Traumjob, den sie am Schluss vielleicht doch nicht kriegen. Dazu ein Beispiel: Laura schnauft und schuftet wie ihre Arbeitskollegen. Für 800 Franken im Monat. Mittlerweile schnuppert sie keine Berufsluft mehr, sie ersetzt eine Fachperson. Ihre ehemaligen Klassenkameraden sind in der Lehre. Sie arbeiten auch für wenig Lohn – werden dafür aber ausgebildet. Darauf wartet Laura noch. Vielleicht muss sie noch ein weiteres Praktikum anhängen, bevor sie die ersehnte Lehrstelle kriegt. Lauras gibt es viele in der Schweiz – allein im Kanton Solothurn über 100. Praktikum bedeutet nicht automatisch Ausbeutung. Vielleicht hätte ein Praktikum sogar den Kollegen von Laura gutgetan, die ihre Lehre abbrechen oder «mal das KV machen» und unzufrieden sind. Aber dauert es ein Jahr, um Laura in ihren Traumberuf einzuführen? Was nützt das «Berufsvorbereitungsjahr», wenn Junge danach gar nicht in den Beruf starten können? Das ist den Lauras, aber auch den Eltern gegenüber nicht fair, die für die Kita zahlen.

Daran sind aber nicht einfach Krippen schuld. Sondern auch die, die an Gemeindeversammlungen jeweils poltern und Opposition machen, wenn es um den Beitrag für eine Kita im Dorf geht. Die, die finden, Betreuungskosten gingen die Gesellschaft nichts an, sondern nur die Eltern. Die Eltern können – wenn überhaupt – nicht mehr als 150 Franken am Tag zahlen. Und die Kitas sparen. Und die Kitas stellen Lauras ein.

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