Das Herz des Marathonläufers setzt bei Kilometer 37 für immer aus. Die Skitourenfahrerin wird zu spät aus der Lawine gerettet. Der Schirm des Basejumpers öffnet sich nicht. Der Mountainbiker stirbt nach einem Sturz im Spital – der Tod holt sich seine Opfer, wann es ihm beliebt. Gerade im Sport können zwischen Euphorie und Endgültigkeit Sekunden liegen.

Entsprechend geschockt reagiert das unmittelbare Umfeld. Die Veranstalter zeigen sich betroffen, den Event oder gar die Sportart wollen sie sich deswegen jedoch nicht vermiesen lassen. Das Leben geht bekanntlich weiter. Tödlich endende Sportunfälle werden gerne verdrängt oder dann als Einzelfälle taxiert respektive schicksalhaften Verkettungen zugeschrieben.

Die Solothurner Bike Days hätten ihre 10. Austragung bestimmt gerne anders begangen. Das Publikum kam in Scharen, doch die sportlichen Anlässe standen unter keinem guten Stern. Der schwere Unfall des 16-jährigen Radrennfahrers am Freitagabend in der Innenstadt darf so nicht passieren. Bei hohen Tempi müssen sich die Fahrer darauf verlassen können, dass die Streckensicherung gewährleistet ist, und von den Zuschauern kann erwartet werden, dass sie die Absperrungen während der Rennphasen respektieren. In diesem Fall hatte der Fahrer schlichtweg keine Chance.

Ganz anders der Sturz mit Todesfolge am Samstag. Die Unfallstelle hat durchaus ihre Tücken: Schussfahrt aus dem Wald, und in der Linkskurve lauert ein Baumstrunk. Während eines Augenscheins vor Ort bekundeten gleich mehrere Fahrer Mühe mit diesem Hindernis. Einverstanden, Mountainbiker betreiben ihren Sport freiwillig, und sie sollten sich auf einer Rennstrecke nicht zu viel zumuten. War es Pech? Unvermögen? Schicksal?

10. Bike Days Solothurn: Tausende hatten ihren Spass, doch was haften bleibt, sind ein junger Mensch im künstlichen Koma und ein Fahrer im Sarg. Diese beiden Schicksale dürfen sich nicht wiederholen. Die Organisatoren werden um eine selbstkritische Analyse nicht herumkommen.