Oftmals geht bei der Einbürgerungsdiskussion vergessen, wer sich einbürgern lässt: Menschen, die ihr Zuhause seit langem in der Schweiz haben und sich hier wohlfühlen. Doch auch wenn man eine gute Ausbildung genossen hat, der deutschen Sprache und des örtlichen Dialekts mächtig ist und sich für das aktuelle Geschehen im Land interessiert, muss man ein komplexes Einbürgerungsverfahren durchlaufen. Dabei ist die Grenze zwischen Lächerlichkeit und Entwürdigung fliessend.

Bereits die Beschaffung aller Unterlagen ist eine aufwendige Angelegenheit: «Können Sie mir bitte ein Formular ausstellen, das bezeugt, dass ich Steuern zahle und keine Sozialhilfe beziehe?» Das war eine der vielen Fragen, die ich klären musste. Die Beschaffung der Dokumente war kostspielig: «Gerne zahle ich 30 Franken, um meine originale Geburtsurkunde noch einmal prüfen zu lassen», sagte ich etwa dem Gemeindebeamten.

Glücklicherweise wurde ich im Kanton Bern vom Sprachtest befreit. Den berüchtigten Einbürgerungstest musste ich trotzdem über mich ergehen lassen. 20 Minuten (und über 300 Franken) für Dutzende, fragwürdige Multiplechoice-Fragen. «Ach, Sie sind schon fertig?», wurde ich beim Verlassen des Raumes gefragt. «Ja! Und ich habe es ernst genommen.»

Dann die letzte Hürde: ein Gespräch mit dem Gemeindepräsidenten. «Hast du Schweizer Freunde?» – «Bist du in einem Verein?» – «Warum willst du dich einbürgern lassen?»: Das alles stand auf seiner Checkliste. Offenbar gab ich die richtigen Antworten. Nach etlichen Monaten erhielt ich ihn, den roten Pass.