Persönlich

Ab ins Pfefferland

Top-Produkte zu finden wird auch in Solothurn nicht einfacher.

Rehrücken

Top-Produkte zu finden wird auch in Solothurn nicht einfacher.

Gut essen ist in. Und so erleben «Foodies» wie Sonja Guzzanti auch in Kleinstlokalen eine erfolgreiche Zeit. Kochen ist kein Handwerk wie jedes andere. Denn: Wie man kocht, so isst man, ist nur ein Teil der Wahrheit. Der andere: So wie man einkauft, kann man kochen. Wie Wild. Finger weg von eingeschweisstem Convenience-Springbock-von-irgendwoher-Pfeffer. Wir planen. Eine Woche zum Voraus Fleisch besorgen. Wer hat Reh aus hiesiger Jagd? Die Metzgerei Scholl in Selzach. Dazu ein Becherchen Schweineblut zum Binden der Sauce. Die letzten Steinpilze aus dem Bucheggberg. Wildfonds? Gibts nicht im Sarkophag-Shopping-Center von Coop, wo die meisten Produkte nur noch hinter Glastürchen steril auf den Kundenzugriff warten. Immerhin, Rindsfonds beim «Pilzli-Ma» auf dem Märet. Ganz akzeptabel, auch wenn das Glas soviel kostet wie das Pfund Reh.

Top-Produkte zu finden wird auch in Solothurn nicht einfacher. Was, wenn mir Frau Müller im Manor Food keine Gräten mehr für den Fischfonds beiseite schafft? Die Verkäuferin in der Markthalle Colmar hatte das Filetieren von Seezungen extrem gut drauf. Ich werde wohl zum Einkaufstouristen. Echte «Foodies» gehen weit für ihre Delikatessen. Weisse Trüffel in Alba, Olma-Bratwürste in St. Gallen. Nein, die am Märetplatz interessieren mich nicht mehr. Diese Runzeldinger, ebenfalls im Sarkophag, neudeutsch «Warmholder» genannt, die können mich mal. Früher, da ging es zur Sache. Dialog mit dem Grilleur: «Nein, die ist mir zu schwarz. Die braucht noch zwei drei Minuten. Ja, die bitte! Die ist jetzt okay.» Unser Stadtpräsident pfeift auf den Dialog. Die Wurst von drinnen sei genau so gut, wie die von draussen. Blödsinn. Ich will dabei sein, bei meiner Wurst. Vielleicht wird Kurt Fluri einst begreifen, was ich meine: Wenn er nur noch eingeschweisste Käseportionen an seinem Märetstand bekommt. Von Gesetzes wegen. Weil es sonst zum Himmel stinkt. Sorry, aber das tut es schon lange.

Autor

wolfgangwagmann

wolfgangwagmann

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