Die farbenfrohen Glitterzitter-Blinkgehänge an Balkonen und die von Samichläusen gerittenen Rentierherden in den Vorgärten sind ganz offensichtlich keine vorübergehende Modeerscheinung. Nein, sie haben sich unübersehbar zum nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil unser Vorweihnachtszeit gemausert. Einfach grauenhaft, was ab Spätherbst an Weihnachtslichterglanz in den Verkaufsregalen feilgeboten wird. Noch grauenhafter, das Zeug wird munter gekauft. Und am grauenhaftesten: Es wird dann tatsächlich aufgehängt, aufgestellt, aufgelegt.

Weshalb nicht gleich zusammen mit den ersten fallenden Blättern? Das Resultat ist flächendeckendes, zuckendes, blinkendes, blendendes Fasnachts-, Schrebergarten und Kühlhaus-Geflacker, das den Betrachter in Vorweihnachtsstimmung versetzen soll. Längst nicht bei allen, aber doch bei einigen führt es ganz einfach zu einer Missstimmung. Habe es kaum für möglich gehalten, aber es gibt in wirklich noch, den besinnlichen Ort mit einfachem Kerzenlicht: Den Friedhof. Die Versöhnung - ein andächtiger, nächtlicher Gang durch St. Katharinen. Die letzte, von zuckender Lichtverschmutzung verschonte Insel. Bange Frage: Wie lange noch?