Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber in der jüngeren Vergangenheit musste man sich nach Urteilen des höchsten Gerichts ab und zu am Kopf kratzen. Gestern war es wieder mal so weit. Ein Autofahrer mit seiner schwangeren Partnerin auf dem Beifahrersitz wurde in einem Parkhaus von zwei Lümmeln provoziert, liess sich provozieren und provozierte zurück (die bekannte Geste mit dem ausgefahrenen Mittelfinger). Das Ergebnis: Der Autofahrer landete übelst zugerichtet im Spital und fuhr längere Zeit nicht mehr durch Parkhäuser. Da er auch nicht mehr arbeiten konnte, entstand ein Versicherungsfall, der sich zum Versicherungsstreit weiterentwickelte. Die Bundesrichter schlugen sich letztlich auf die Seite der Stärkeren. Will heissen, sie gaben der Versicherung recht (die nicht für alle Kosten aufkommen wollte) und indirekt zeigten sie alles Verständnis für die Prügler. Wörtlich: Es kommt bei einer Schlägerei nicht darauf an, ob der Versicherte selber tätlich geworden ist. Ebenso unerheblich sei, wer mit dem Streit begonnen habe. In der heutigen Zeit sei bei derartigen Vorkommnissen mit einer Eskalation ohne weiteres zu rechnen. Mit anderen Worten, schauen Sie Ihrem Metzger nie zu lange missmutig in die Augen. Sollte er das Messer nach Ihnen werfen, sind Sie selber schuld – in der heutigen Zeit. Begegnen Sie auf dem Trottoir jungen Burschen, legen Sie sich unverzüglich mit erhobenen Armen auf den Boden und entschuldigen Sie sich vorsorglich für Ihre Existenz. Wenn Sie Glück haben, kommen Sie ungeschoren davon. Wenn Sie Pech haben, gibts Schläge und es war nach Bundesgericht eine unverzeihliche Provokation in der heutigen Zeit.