Nun gibt es Anzeichen, dass Ihre Nachfolgerin, Schwester Benedikta, noch schneller die «Schluchtmüdigkeit» ereilt hat. Kurz nach dem Amtsantritt letzten Sommer räumte sie nachts die Einsiedelei wegen Bedrohungen, nun sind körperliche Beschwerden aufgrund der Arbeitsbelastung aufgetaucht. Ein Alarmsignal, das ihren Arbeitgeber, die Bürgergemeinde Solothurn, aufgeschreckt hat. Der nächste Abgang einer Einsiedlerin innert Kürze wäre nach dem Hype, den die beiden Berufungen europa-, ja weltweit ausgelöst hatten, keine gute Imagewerbung.

Man hat erkannt, dass eine Frau kurz vor dem Pensionsalter nicht den Schluchtwart, den Gärtner, Sakristan, Hilfspolizisten und Event-Manager geben kann. Und dabei den eigentlichen Lebenssinn einer Einsiedlerin findet: mit sich und Gott in der Einsamkeit eins zu sein. Schwester Benedikta wird also Unterstützung erhalten. Ein überfälliger Schritt. Aber nicht die Lösung des Problems. Die Einsiedelei und die Verenaschlucht sind schon seit dem Weg-Ausbau 1792 durch Baron de Breteuil touristisch erschlossen, mit Sakralbauten für religiös geprägte Besucher noch länger. Die Einsiedelei ist ein einzigartiges landschaftliches Kleinod mit grosser Anziehungskraft. Diese Perle kann der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden. Auch nicht, um eine Einsiedlerin und ihren Anspruch auf ein zurückgezogenes Leben rundum zu schützen. So bleibt der Kraftort hinten in der Schlucht, was er stets war, aber auch und zunehmend geworden ist: eine «Scheinsiedelei».