Wer in der Sommerzeit in der Region Solothurn kulturelle Veranstaltungen besuchen will, kann aus einem ganzen Strauss von Angeboten auswählen. Da gibt es die Rezitalkonzerte mit Solothurn Classics, (dieses Jahr in der Rythalle), Barocktheater auf Schloss Waldegg , mal ein Freilichttheater auf dem Zeughausplatz, alle zwei Jahre Sommeroper in Selzach , sporadisch Musical in Deitingen. Dann gibt es Operette auf der Bühne Burgäschi und an der Classionata Mümliswil (diese bereits im April), Rockkonzerte in Etziken und ein immer grösser werdendes Open-air, das St. Peter at Sunset in Kestenholz. Alle Jahr gibt es Worldmusic am Uhuru-Festival auf dem Weissenstein.

Das sind nur die grösseren der Sommer-Veranstaltungen, die in der überschaubaren Region Solothurn nach Besuchern gieren, die auf Sponsorensuche sind und Lotteriefondsgelder beanspruchen. Voll der Bewunderung kann man für all jene sein, die sich hinter den Kulissen alljährlich an diese Arbeit machen und den Besuchern Kulturelles nahebringen. Sie halten Sitzungen ab, schreiben Konzepte und Sponsorenbettelbriefe, suchen und engagieren Künstler und Musiker. Sie halten Proben ab und sind dann an den Veranstaltungen präsent. Chapeau! Und Merci. Das muss mal gesagt werden.

Doch so manches Wirken muss auch kritisch hinterfragt werden. Vor allem wenn Veranstaltungen schon jahrelang auf Teufel, komm raus durchgeführt werden, und die Nachfrage einfach nicht mehr stimmt.

Vor rund 20 Jahren, als beispielsweise Dino Arici mit dem Classic Openair Solothurn auf der St. Ursenbastion anfing, war er weit und breit der Einzige, der auf Freilichtpublikum und Sponsorensuche gehen musste. Man war damals dankbar, dass jetzt auch in Solothurn geboten wurde, wofür man vorher nach Avenches oder Bregenz reisen musste. Doch heute, wo auf jedem Hoger, hinter jeder Scheune und in jedem Schlosshof Theater und Musik im «Sommerloch» veranstaltet wird, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Das Publikum ist übersättigt, die Sponsoren überfordert.

Koordinieren oder gleichzusammen arbeiten

Arrivierte wie die Sommeroper Selzach mussten in den vergangenen Jahren empfindliche Defizite hinnehmen, ebenso das Solothurn Classics. Das zweimal gestartete Takto-Festival gibt es nicht mehr. Die Barockoper auf Schloss Waldegg kämpft immer mit schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen und das Aus für das Uhuru-Festival wurde auch schon prophezeit. Zahlen dieser Veranstalter sind zwar keine im Umlauf. Die Verantwortlichen hüten ihre Geheimnisse gut. Indiz für so manche Fehlkalkulation sind aber die Begehren um Nachtragskredite beim Lotteriefonds, auch wenn dort auch keine Summen ersichtlich sind.

Es geht nicht darum, kulturelle Anstrengungen schlecht zu Reden oder solche zu verhindern suchen. Doch so mancher Organisator, muss sich überlegen, ob er im relativ kleinen Einzugsgebiet ausreichend Publikum und Sponsoren findet, damit sein Vorhaben nicht zum Scheitern verurteilt ist. Da ist die Idee von Theaterdirektor Dieter Kaegi schon bestechend, wenn er meint, die verschiedenen Anbieter sollen sich zusammensetzen und ihre Vorhaben untereinander koordinieren und wo es geht, gleich zusammenarbeiten – am besten über mehr als eine Saison hinaus. Konkret: Ein Theaterspektakel auf dem Zeughausplatz mithilfe der Selzacher Sommeroper, das folgende Jahr die Selzacher Sommeroper mithilfe der Theaterschaffenden des Stadttheaters. Oder: Konzerte der Solothurn Classics finden wieder auf der St. Ursenbastion statt und die Dino Arici-Stiftung, die sich jetzt fürs Stadttheater engagiert, zahlt die Gagen junger(!) Sängerinnen und Sänger.

Lebendig bleibt nur, was sich verändert und anpasst

Es gäbe sicher noch mehr Synergien, Gemeinsamkeiten und neue Ideen im überschaubaren, und im Grund ausserordentlich musik- und theaterbegeisterten Raum Solothurn die zum Wohl einer lebhaften und qualitätsbewussten Kulturarbeit genutzt werden können. Doch dann dürfen Neid, Eigeninteressen und Diven-Gehabe keinen Platz haben. Denn: Lebendig bleibt nur, was sich verändert und neuen Gegebenheiten anpasst. Das ist nicht nur ein Gesetz der Evolution, sondern auch das einer erfolgreichen Kulturarbeit.

@ fraenzi.zwahlen-saner@azmedien.ch