Kommentar

Wohnungen sind keine warmen Weggli

Aktuell sind 2,3 Prozent der Wohnungen im Kanton Solothurn leer, so hoch lag die Quote seit 15 Jahren nicht mehr. (Symbolbild)

Aktuell sind 2,3 Prozent der Wohnungen im Kanton Solothurn leer, so hoch lag die Quote seit 15 Jahren nicht mehr. (Symbolbild)

Der Wohnungsbau geht zwar langsam zurück, aber auf sehr hohem Niveau.

Einfamilienhaussiedlungen und Wohnüberbauungen – sie spriessen fast unvermindert aus dem Boden. Auch im Kanton Solothurn. Davon zeugen die zig Baustellen und Baukräne, ob jetzt in Agglomerationen, Städten oder in ländlichen Gebieten.

Der aussenstehende Beobachter fragt sich, wer soll diesen zusätzlichen Wohnraum kaufen oder mieten, welcher seit Jahren «en masse» entsteht?

Wie berechtigt die Frage speziell im Kanton Solothurn ist, verdeutlicht die jährlich erhobene Leerwohnungsziffer. Sie zeigt an, wie viele Wohnungen jeweils am Stichtag 1. Juni leer stehen.

Aktuell sind es 2,3 Prozent, so hoch lag die Quote seit 15 Jahren nicht mehr – und nur gerade im Kanton Jura ist diese noch höher. Das bedeutet, dass immerhin jede 43. Wohnung im Kanton Solothurn am Stichtag leer stand.

Dabei handelt es sich zwar mehrheitlich um ältere Logis, aber die Zahl der leerstehenden Neuwohnungen hat seit 2013 um 70 Prozent zugenommen. Ein klares Indiz dafür, dass längst nicht mehr aller neuproduzierte Wohnraum vom Markt absorbiert wird.

Bei dieser Ausgangslage muss sich jeder Investor von Wohnraum genau überlegen, wo er bauen will. Neuwohnungen in Solothurn, in Olten oder in steuergünstigen Gemeinden zu verkaufen oder zu vermieten, ist in aller Regel kein Problem.

Dagegen nimmt in weniger attraktiven Gegenden das Leerstandsrisiko zu. Denn die drei wichtigsten Faktoren für eine erfolgreiche Vermarktung bleiben unverändert die Lage, die Lage und nochmals die Lage.

Wohnungen sind keine warmen Weggli, die – unabhängig von allen äusseren Einflüssen – automatisch über den Ladentisch gehen. Diese Zeiten sind definitiv vorbei. franz.schaible@azmedien.ch

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