Die SVP-Mitglieder und -Anhänger bilden eine verschworene Gemeinschaft. Werden sie für ihre politischen Inhalte zerzaust und lässt man an ihren Exponenten keinen guten Faden, so prallt dies entweder völlig an ihnen ab oder es schweisst sie noch stärker zusammen. Da hackt wirklich keine Krähe der andern ein Auge aus.

Umso erstaunlicher ist es, wenn ein verdienter SVPler für einmal ein aktives, langjähriges Zugpferd der Partei medial angeht. Kurt Küng zählte viele Jahre zu den Aushängeschildern auf kantonaler Ebene. Nun hat es ihm in seiner Beobachterposition ganz offensichtlich den Hut gelupft.

In einem messerscharfen Leserbrief bezeichnet Küng die unverschämt hohen Löhne der Krankenkassenchefs von Groupe Mutuel als «Sauerei». Er lässt anklingen, dass Beiratsmitglied Roland Borer kassiert, aber nicht brilliert habe und schliesslich gibt Küng eine Wahlempfehlung für 2015 ab: Man solle Sesselklebern beim Aufstehen helfen. Und wer klebt seit 1991 fest im Nationalrat? Richtig: Roland Borer. Dieser bestätigt denn auch unumwunden, bis 2019 dort sitzen bleiben zu wollen.

Aber ja doch, das ist ordentlich lang. Dafür hat Küng null Verständnis. Er glaubt an den Nachwuchs, den man nicht aus taktischen Gründen demotivieren dürfe. Nein, dieses Phänomen ist nicht SVP-typisch. Aber es ist wohltuend, wenn in einer dermassen auf Homogenität getrimmten Partei öffentlich über Abzockerlöhne und Nachwuchsverhinderung gestritten wird.