Nun also ists so weit: Am Montag findet der offizielle runde Tisch zur Frankenstärke-Problematik statt. Der «grosse» runde Tisch, nachdem es Ende Februar bereits einen «kleinen» gegeben hatte. – Einen, an dem auf Einladung der Solothurner Handelskammer nur die drei grossen bürgerlichen Parteien FDP, CVP und SVP dabei sein durften. Jetzt, am «grossen» runden Tisch, sind Vertreter aller Parteien willkommen, dazu auch jene von Sozialpartnern und Verbänden. Zur grossen Runde lädt die Kantonsregierung ein. Ziel ist es, für konkrete Massnahmen zugunsten der Solothurner Wirtschaft einen gemeinsamen Nenner zu finden.

Wenig Freude an der vorgekochten Suppe

Durch das Vorprellen der Handelskammer und der grossen bürgerlichen Parteien ist allerdings einiges Tafelgeschirr zerschlagen worden. Die damals draussen vor der Tür Gelassenen – SP und Gewerkschaften – mokieren sich darüber, dass sie jetzt gnädigerweise noch zum gemeinsamen Anrichten einer vorgekochten Suppe eingeladen seien. Der Appetit der Linken hält sich deshalb in Grenzen, wie am Freitag vor den Medien deutlich gemacht wurde.

Immerhin dürfte am Montag auch ein Thema auf den Tisch kommen, das in der kleinen Runde nicht der Rede Wert gewesen war: Dass nämlich mit der leichtfertigen Infragestellung der bilateralen Verträge durch die SVP auch die Solothurner Wirtschaft in Bedrängnis gebracht werden könnte. Mindestens ebenso stark, wie durch die Wahrungssituation.

Zu einer gewissen Entspannung kann am grossen runden Tisch beitragen, dass die Folgen des starken Frankens in der hiesigen Wirtschaft (noch) nicht in einer alarmierenden Weise durchgeschlagen haben. Viele Export- und Zulieferfirmen haben zwar mit Auswirkungen zu kämpfen, zeigen sich aber überzeugt, letztlich erfolgreich durch dieses Stahlbad gehen zu können. Jedenfalls zeigen weder die neusten Arbeitslosenzahlen noch jene der Kurzarbeit-Meldungen schon die befürchteten Bremsspuren. Das muss zwar nicht so bleiben und könnte sich – je nach Dauer und Zuspitzung der Lage – durchaus noch ändern. So oder so ist blinder Aktivismus unsinnig. Gefragt ist vielmehr Nüchternheit. Und am Montag hüben wie drüben die Bereitschaft, gegebenenfalls über den eigenen Schatten zu springen: Der Erfolg des grossen runden Tisches misst sich nicht am zerschlagenen Porzellan, sondern an konkreten Ergebnissen.

Ein Fall (nur) für die Volkswirtschaftsdirektorin

Ausgesprochen nüchtern scheint die Kantonsregierung die Sache zu sehen. Keine Rede von Panikstimmung und davon, dass nun «alle Mann an Deck» gehen müssten. Im Gegenteil: Die vier Männer in der Regierung sind am Montag gar nicht dabei: Die einen sind in den Ferien, andere an wichtigeren Sitzungen. Einzig Esther Gassler, die in dieser Sache letztlich zuständige Volkswirtschaftsdirektorin, wird sich der – mit drei Stunden äusserst kurz bemessenen – Diskussion mit den erwarteten 58 Partei-, Wirtschafts- und Verbandsvertretern stellen.

Dass nicht der Gesamtregierungsrat teilnimmt, kann verschiedenes besagen: Entweder geht die Regierung davon aus, dass der Mist am «kleinen» runden Tisch eh schon geführt worden ist und die zu erwartende Ausbeute am grossen somit nur bescheiden ausfallen dürfte. Oder: So alarmierend, wie es die Handelskammer zur Untermauerung ihres vielfältigen Forderungs- und Wunschkatalogs dargestellt hatte, kanns um die Solothurner Wirtschaft gar nicht stehen.